“…weil für sie kein Platz in der Herberge war.”

Sie kennen vermutlich diesen Satz aus dem 2. Kapitel des Lukas-Evangeliums. Er stammt aus der Weihnachtsgeschichte, die an diesem Wochenende in den Gottesdiensten gelesen wird und die Grundlage für viele Krippenspiele ist, in denen ein Herbergsvater Josef und der hochschwangeren Maria trotz ihrer Not keine Unterkunft bietet. Aber verhalten wir uns nicht ganz ähnlich wie dieser hartherzige Herbergsvater? Auch wir haben für Heimatlose, Flüchtlinge oder schuldlos in Not Geratene kaum mehr eine Herberge in Deutschland und auch nicht in Warendorf.

Natürlich weiß ich, dass wir bei uns nicht die Probleme der Welt lösen können. Soziale Härten wird es geben, solange die Schere von Arm und Reich so weit auseinanderklafft. Aber gerade in den letzten Wochen zeigt sich, zu welch unmenschlichen Auswüchsen eine restriktive Ausländerpolitik führt. Das Schicksal der Familie Thadchanamoorthy hat brennpunktartig gezeigt, mit welcher Härte die Behörden vorgehen und welch dramatische Folgen die Abschiebung für die Familie in Sri Lanka hat.

Denn dieses Mal funktionierte das System “Aus den Augen – aus dem Sinn!” nicht, da die engagierte Nina Wiengarten die Familie in Colombo begleitet und deren Schicksal über die hiesige Presse publizieren konnte. Dem neuen Landrat müssen bei jedem neuen Leidensbericht die Ohren geklingelt haben.

Die Mutter ist krank. Die Kinder verstehen fern ihrer Heimat Deutschland die Welt nicht mehr. Der Vater ist in der neuen ungewollten Situation völlig überfordert. Nicht nur aus meiner Sicht hat Dr. Gericke in diesem Abschiebungs-Drama eine völlig unglückselige Rolle gespielt und zwar vor, während und nach der Abschiebung. Er beruft sich auf geltendes Recht, das er zu beachten habe. Als wenn ein Landrat eine Marionette politischer Direktiven sei und keinerlei Ermessensspielraum hätte! Er sieht sich bei einer Demonstration gegen die Abschiebung trotz eines großen Polizeiaufgebots bedroht von hasserfüllten Menschen! Teilnehmer der Demonstration empören sich über diese Verunglimpfung und vermuten beim Landrat Probleme im Umgang mit demokratischen Grundrechten.
Die Art und Weise der Abschiebepraxis ist ein Skandal in einer Gesellschaft, die auf humanen Fundamenten ruht und sich auf ein christliches Menschenbild beruft.
Nun sind diese Zeilen ein ganz unweihnachtliches Rathausecho geworden. Oder doch nicht? Weihnachten ist eben nicht nur das heimelige Familienfest mit Geschenken und Tannenbaum, sondern nach der christlichen Botschaft der Beginn einer ganz besonderen Zuwendung Gottes an die Menschen. In Jesus bekennen Christen einen schändlich am Kreuz hingerichteten Querulanten als Gottes Sohn. Das Christentum war in seinen Anfängen eine unerhörte Provokation für die herrschende Klasse, weil es Platz bot für Freie und Sklaven, für Juden und Nicht-Juden, für Reiche und Arme, für Sesshafte und Entwurzelte. Damals! Oder doch auch ein bisschen heute? Hoffentlich. In diesem Sinne frohe Weihnachten!

Beitrag von Thomas Lins

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3 Reaktionen zu ““…weil für sie kein Platz in der Herberge war.””

  1. Elisabeth Wiengarten

    Mein Neujahrsgruß an alle Menschen, die sich mit mir für die Familie Thadchanamoorthy einsetzen. Es ist der Text aus einer Mail, die ich heute – kurz vor dem Jahresausklang – verschickte.

    Ich möchte allen, die ich mit dieser Mail anschreibe für das Jahr 2007 viel Gutes wünschen. Unten stehen einige Gedanken von mir. Vorab stelle ich den Text von Hanns Dieter Hüsch und schließe mich seinen Gedanken an.

    Segen zum Geleit
    Von Hanns Dieter Hüsch

    Im übrigen meine ich
    daß Gott uns das Geleit geben möge
    Immerdar
    Auf unserem langen Weg zu unserer Menschwerdung
    Auf dem endlos schmalen Pfad zwischen Gut und Böse
    Herzenswünschen und niedrigen Spekulationen
    Er möge uns ganz nahe sein in unserer Not
    Wenn wir uns im dornigen Gestrüpp der Wirklichkeit verlieren
    Er möge uns in den großen anonymen Städten
    wieder an die Hand nehmen
    damit wir seiner Fantasie folgen können
    Und auf dem weiten flachen Land
    wollen wir ihn auf unseren Wegen erkennen
    Er möge uns vor falschen Horizonten und
    dunklen Abgründen bewahren
    So daß wir nicht in Richtungen wandern
    die uns im Kreise und an der Nase rumführen
    Er möge unseren kleinen Alltag betrachten
    den wir mal recht mal schlecht bestehen müssen
    Die 12 Stunden Unrast und die 12 Stunden Ruhe vor
    dem Sturm
    Er hat den Tag und die Nacht geschaffen
    Hat auch den Alltag gemacht und den Schlaf
    Die 12 Stunden eilen und kümmern und laufen
    Und sorgen und streiten und ärgern und schweigen
    Und die 12 Stunden ausruhen und nichts mehr sehen
    und hören
    Gott hat auch den Traum und das tägliche Leben
    geschaffen
    Und er möge uns die vielen Streitigkeiten von morgens bis abends verzeihen
    Das Hin und Herlaufen zwischen den vielen Fronten
    Und all die Vorwürfe
    die wir uns gegenseitig machen
    Möge er in herzhaftes Gelächter verwandeln
    und unsere Bosheiten in viele kleine Witze auflösen
    Wir bitten ihn Zeichen zu setzen und Wunder zu tun
    daß wir von all unseren Schuldzuweisungen ablassen
    und jedwedem Gegner ein freier Gastgeber sind
    Er möge uns von seiner Freiheit ein Lied singen
    auf daß wir alle gestrigen Vorurteile außer Kraft
    und alle Feindseligkeiten außer Gefecht setzten
    Er möge uns von seiner großen zeitlosen Zeit
    ein paar Stunden abgeben
    Und – Er kann gewiß nicht überall sein – Er möge in unsere Stuben kommen und unsere Habseligkeiten segnen
    unsere Tassen und Teller, die Kanne, die Zuckerdose
    und den Salzstreuer, die Essigflasche und den Brotkorb
    Er möge vor allem die Kinder schützen und die Tiere
    vor jeglicher Willkür
    Ja, Er möge sich zu uns an den Tisch setzen und erkennen
    Wie sehr wir ihn alle brauchen, überall
    auf der ganzen Welt
    Denn wer will uns erlösen von all unserem
    weltgeschichtlichen Wahn
    Auch von unseren täglichen Lebenskonflikten
    Gott unser Herr möge auch manchmal ein Machtwort sprechen
    Mit all jenen Herren, die sich selber zu Göttern ernannt
    Die Menschen durch Maschinen ersetzen
    und für Geld Kriege führen
    Und mit Drogen alle Zukunft zerstören
    Er möge sich unser erbarmen
    Am Tage und in der Nacht
    In der großen Welt und in der kleinen Welt unseres Alltags
    Er möge uns unsere Krankheiten überstehen lassen
    und uns in der Jugend und im Alter seine Schulter geben,
    damit wir uns von Zeit zu Zeit, von Gegenwart zu Gegenwart,
    an ihn anlehnen können, getröstet, gestärkt und ermutigt.
    Amen.
    Hanns Dieter Hüsch: Das Schwere leicht gesagt. Freiburg, Basel, Wien: Herder. 7. Aufl. 1997. S. 151ff. (Herder Spektrum
    http://www.kirchen-in-meiningen.de/seiten/gebet/archiv.htm

    Liebe Freunde,
    liebe Bekannte in Nah und Fern,
    verehrte Zeitungsredakteure,

    all ihr, die mich in diesem Jahr ein Stück mehr oder weniger begleitet habt….

    Danke möchte ich allen für die guten Begegnungen sagen, für mutmachende Worte, für Solidarität, für Unterstützung und einfach für das “DA-SEIN”.
    Besonders beim Einsatz für die Familie Thadchanamoorthy habe ich viel an Mitmenschlichkeit erfahren.
    Beeindruckend war besonders die Sensibilität vieler älterer Menschen, beeindruckt haben mich die Spenden von Menschen, die selbst nicht viel haben.
    Ein älterer Mann von über 80 Jahren kam zum Benefizgkonzert und sagte:
    “Die Musik gefällt mir zwar nicht so, aber was da passiert ist, gehört sich nicht!”
    Er sagte es auf “Platt” – kann ich nicht so gut schreiben, aber er fasste etwas zusammen, was viele sagten.

    Ich träume immer noch davon, nein ich hoffe und will, dass die Familie zurückkehrt, es wäre ein Zeichen für Gerechtigkeit. Zum Glück ist Herr Hartdorf ein engagierter Rechtsanwalt, der daran arbeitet. Er glaubt daran, dass wir die Familie zurückholen können. Ich hoffe mit ihm, dass es Wirklichkeit wird. Nina sagt, dass die Familie keinerlei Lebenschance in Sri Lanka hat.

    Im Grußwort zum Neuen Jahr schreibt unser Landrat Dr. Gericke, dass er das neue Bleiberecht begrüßt. Wenn er es wirklich begrüßt, dann frage ich mich, warum er Familie Thadchanamoorthy ins Abseits geschickt hat. Oder wer war in der Kreisverwaltung dafür verantwortlich?
    Es wurde gesagt, dass Herr Thadchanamoorthy kein Deutsch spricht. Ich telefoniere mit ihm und unterhalte mich mit ihm. Es wurde gesagt, dass der Bruder die Papiere hätte mitgeben sollen. Am Abend vor der Abschiebung hieß es aber, dass die Familie doch bleiben darf. Außerdem bin ich der Meinung, dass dafür auch nicht der Bruder zuständig war, sondern die Behörden, die die Abschiebung wollten. Außerdem ist das wichtigste Dokument nicht in der Wohnung gewesen, sondern bei der Kreisverwaltung oder Botschaft in Bonn. Ohne dieses Ausweispapier hat Herr Kiddinan-Thadchanamoorthy keine Möglichkeit, sein Leben in Sri Lanka jemals selbst zu gestalten.
    Inzwischen gibt es auch Aussagen, dass man bei den Behörden durchaus weiß, dass die Botschaft in Bonn nur ein Einreisevisum ausstellt, dass seine Gültigkeit auf dem Flughafen in Colombo verliert. Anmeldungen vor Ort sind damit bei den Behörden nicht möglich.

    Frau Thadchanamoorthy ist anhaltend krank, sie hat hohes Fieber. Ich frage mich immer wieder, was für ein Arzt der Abschiebearzt ist, der Frau Thadchanamoorthy gesund geschrieben hat.

    Apisan muss ab dem 2. Januar 07 zur Schule, dann sind die großen Ferien in Sri Lanka zu Ende. Er wird auf eine Schule der Schwestern gehen. Wir bezahlen die Fahrt dorthin. Es kostet im Momat keine 5 Euro – aber dort wird er wahrscheinlich etwas mehr behütet. Er hat die letzten Tage nur Bauchschmerzen, denn er spricht kein Tamil, kein Englisch, kein Singahlesisch und hat Angst vor der Schule, weil ihn die anderen Kinder nicht verstehen.
    Auch Apirami hat Angst. Sie wird ab dem 2.1.07 in den Kindergarten gehen. Sie wird aber den Kindergarten im Convent besuchen, in dem Nina zurzeit auch wohnt. Herr Thadchanamoorthy arbeitet zurzeit ehrenamtlich bei den Schwestern – aus Dank und weil ihm zu Hause die “Decke auf den Kopf fällt”.
    Ohne sein Ausweispapier kann er keine Arbeit aufnehmen.

    Wenn wir der Familie Thadchanamoorthy helfen, dann ist es zwar nur ein kleines Stück Hilfe auf dieser großen Welt. Doch wir setzen ein Zeichen, dass Gerechtigkeit über Ungerechtigkeit siegt. Wir setzen so ein Beispiel. Ich hoffe auf Gottes Hilfe – ich bete dafür. Andere glauben nicht an Gott – aber sie setzen sich für die gerechte Sache mit ein – Danke dafür.
    Viele verschiedene Menschen wirken zusammen, dass ist wunderbar.

    In diesem Sinne wünsche ich allen ein gutes Jahr 2007 und bitte um weitere Unterstützung dabei, die Familie Thadchanamoorthy zurückzuholen.
    Dankbar wären wir besonders über Eintragungen auf unserer Internetseite. Es ist ganz einfach,man muss nur unter den einzelnen Artikeln die Rubrik Kommentare anklicken. Wenn viel auf unserer Seite geschieht, dann ist es gut.

    Alles Gute und viele Grüße – in Gedanken bin ich mit vielen
    lieben Menschen,
    einsatzfreudigen Menschen,
    mutigen Menschen,
    solidarischen Menschen,
    aufmüpfigen Menschen,
    wagemutigen Menschen verbunden,
    ehrlichen Menschen,
    gerechten Menschen,
    die ich 2006 kennenlernte.

    Ich habe schon an anderer Stelle mehrmals gesagt, der Einsatz für die Familie Kiddinan/Thadchanamoorthy ist nicht nur anstrengend und zeitaufwendig, er hat mir auf viele Begegnungen gebracht, die mich persönlich in meinem Menschsein weitergebracht haben.
    Danke dafür.
    Elisabeth Wiengarten
    02586/970034
    http://www.abgeschoben-waf.de

    Unsere Projektseite
    http://www.srilanka-waf.blogspot.com

    Nina Seite – hier kann man ihr auch einen Gruß eintragen, auch unter Kommentare. Es ist manchmal in diesen Tagen sehr schwer für sie. Vor allem, weil sie Sorge um die Familie hat, wenn sie ohne die Familie nach Deutschland kommen muss. Solidarität und ein Wort als Gruß würde sie bestimmt erfreuen.

    http://www.soulsisternina.blogspot.com

    Hier noch eine Geschichte, die mir in dieser Zeit sehr wichtig geworden ist.

    Hühnersuppe für die Seele

    Einer unserer Freunde ging bei Sonnenuntergang an einem einsamen mexikanischen Strand entlang. Als er so entlang schlenderte, sah er in der Ferne einen anderen Mann. Als er näher kam, bemerkte er, dass der Einheimische sich fortwährend hinunterbeugte, etwas aufhob und ins Wasser warf. Wieder und wieder schleuderte er etwas hinaus in den Ozean.

    Als unser Freund sich noch mehr näherte sah er, dass der Mann Seesterne aufhob, die an den Strand gespült worden waren, und – einen nach dem anderen – warf er sie ins Wasser zurück.
    Unser Freund war verblüfft. Er näherte sich dem Mann und sagte: „Guten Abend, mein Freund. Ich habe mich gefragt, was Sie da tun.“

    „Ich werfe diese Seesterne zurück ins Meer. Sehen Sie, es ist gerade Ebbe, und alle diese Seesterne sind ans Ufer gespült worden. Wenn ich sie nicht ins Meer zurückwerfe, werden sie an Sauerstoffmangel sterben.“

    „Ich verstehe“, erwiderte mein Freund, „aber es muss an diesem Strand Tausende von Seesternen geben. Sie können unmöglich alle erwischen. Es gibt einfach zu viele. Und sind Sie sich nicht klar, da? dies wahrscheinlich an Hunderten von Stränden überall an dieser Küste passiert?? Sehen Sie nicht , dass Sie unmöglich etwas ändern können??.“
    Der Einheimisch lächelte, beugte sich hinunter und hob noch einen weiteren Seestern auf,

    als er ihn ins Meer zurückwarf, erwiderte er:
    “ Hab für den was geändert!!“

    aus „Hühnersuppe für die Seele“ von Jack Canfield und Mark Viktor Hansen
    Arkana-Verlag, Seite 29

  2. Geschw. Linnenbrink

    Danke für Ihren Leserbrief Herr Lins. Warum steht er nicht in der Glocke? Die Weihnachtsgeschichte geht weiter. Ich hoffe, daß mein Leserbrief dazu in den nächsten Tagen in der Glocke steht. Liebe Grüße H. Linnenbrink

  3. BSander

    Liebe Geschwister Linnenbrink,

    der Kommentar von Herrn Lins war ein redaktioneller Beitrag, der kurz vor Weihnachten als Kommentar in der “Glocke” erschienen ist.

    Anmerk. der Redaktion

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