Aktion “Stoppt Abschiebung” in Warendorf
Gestern setzten Michael Schulze-von-Glaßer von der solid-Kreisgruppe Warendorf sowie Nina Wiengarten und Heike Gerdelmann ein Zeichen gegen die Abschiebepraxis des Kreises Warendorf.
Die jungen Erwachsenen brachten ein Transparent mit der Aufschrift „Stoppt Abschiebung“ mit freundlicher Genehmigung des Pfarrers Herwig Behring, am evangelischen „Martin Luther Haus“ an der B 64 an.
„Im Fall der Warendorfer Familie Thadchanamoorthy nahm die Abschiebepraxis unseres Kreises besonders skandalöse Ausmaße an. Für mich ist die Verletzung von Menschenrechten an dieser Stelle klar gegeben“, so Nina Wiengarten, der dieser Fall durch die Betreuung der Betroffenen im Rahmen ihres Praxissemesters auf Sri Lanka lückenlos bekannt ist.
Die Beelenerin hält mehrmals wöchentlichen Telefonkontakt zu den Abgeschobenen. Die Ordensschwestern vom Guten Hirten versuchten seit Wochen eine ID-Karte für den Familienvater zu beantragen, einen lebensnotwendigen Ausweis. Bekannt ist den Aktionsunterstützern, dass diese Karte im Rahmen des Asylverfahrens bei deutschen Behörden verloren ging. Frau Wiengarten erfuhr aktuell von den Ordensschwestern, dass die Beantragung der ID-Karte gescheitert ist. Die srilankischen Behörden verweigern ihre Zuständigkeit. Willkürliche Verhaftungen, Entführungen, Folter und Tötungen stehen gerade für Tamilen im Zuge des Krieges an der Tagesordnung. Zudem kann der Mann seine Familie nicht eigenständig ernähren, da er ohne die Karte keine berufliche Anstellung findet.
„Die Familie lebt nun rein unter dem Schutz der Ordensschwestern, allein von den Spendengeldern aus Deutschland. Ein eigenständiges Leben ist für sie auf Sri Lanka nicht absehbar, das bekunden die fachkundigen Schwestern in jedem Telefonat“, so Nina Wiengarten.
„Das Transparent ist ein symbolischer Aufschrei. Wir möchten unsere Mitbürger einladen sich mit Abschiebeopfern zu solidarisieren. Wir kennen viele Menschen, die im Kreis Warendorf in ständiger Angst leben, obwohl sie Arbeit haben, Deutsch gelernt und sich in unsere Gesellschaft integriert haben. Wir suchen Vereine, Gruppen, Kirchengemeinden und Privatpersonen, die dieses Transparent für einige Tage an ihren Gebäuden anbringen, um diesen Aufschrei durch den gesamten Kreis Warendorf zu tragen“, so Nina Wiengarten. Anmeldungen für die mitmenschliche Aktion nimmt Familie Wiengarten jederzeit unter 02586/970034 entgegen.
Am 19. März 2007 um 21:54 Uhr
Liebe Leser von http://www.abgeschoben-waf.de!
Das Transparent hängt nicht mehr. Es muss wohl gestört haben, was es ja auch sollte, und schwupps wurde es abgeschnitten – abgerissen.
Mehrere Dinge haben mich heute bewegt, haben mich gestört….Handlungen mit denen ich mich nicht abfinden will.
Ob es der Druck ist, der auf Menschen ausgeübt wird, die bei uns Heimat suchen,
ob es die Warnungen sind, mich doch nicht zu weit aus “dem Fenster zu legen”,
ob es der Machtmissbrauch in höheren Positionen ist, der mir bewusst wurde,
ob es die Not meiner afrikanischen Freundin ist, die Angst vor Abschiebung in ein Land hat, aus dem sie gar nicht kommt,
ob…ob….ob…ob…ob……………usw..
Je länger ich mich in der Abschiebungsszene befinde, desto mehr Perversität begegnet mir. Leider muss ich diese Feststellung treffen. Aber ich möchte auch betonen, dass mir noch nie in so kurzer Zeit so viele engagierte und mutige Menschen über den Weg gelaufen sind.
Ganz vorn möchte ich dabei die Geschwister LInnenbrink aus Beckum ansiedeln, die trotz ihres hohen Alters mit klarem Verstand das Richtige sehen und christlich und engagiert handeln.
Eben erreichte mich noch ein Text, den ich den Lesern dieser Seite nicht vorenthalten möchte. Meine Mailfreundin, die unsere Aktionen beobachtet, schickte ihn mir:´
“Liebe Lisa!
Und wo bleibt das Positive, Herr Kästner? (1930)
Und immer wieder schickt ihr mir Briefe,
in denen ihr, dick unterstrichen schreibt:
Herr Kästner, wo bleibt das Positive?”
Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt.”
Die Spezies Mensch ging aus dem Leime
und mit ihr Haus und Staat und Welt.
Ihr wünscht, dass ich’s hübsch zusammenreime,
und denkt, dass es dann zusammenhält?”
In diesem Sinne grüßt Ingrid.”
In diesem Sinne möchte ich mich der Meinung von Herrn KÄstner anschließen! Wenn etwas ungerecht und falsch ist, dann hilft auch nicht der beste Leim, um es zusammen zu fügen. Im Gegenteil…..
Was falsch ist – bleibt falsch…
Mit Gruß
Elisabeth Wiengarten
Am 23. März 2007 um 12:59 Uhr
Sehr geehrte Damen und Herren,
bevor bei meinem folgenden Kommentar etwas falsches vermutet wird. Ich bin selbst zur Hälfte Ausländer. Dennoch müssen wir die Situation in Deutschland beachten. Es ist das einzige Land in der EU das wirklich so gut wie jeden aufnimmt. Dies ist kein Hirngespinnst, sondern ein Fakt. Doch womit hängt das zusammen? Mit dem 2ten Weltkrieg, nun traut man sich nicht die Grenzen zu schließen. Deshalb weiß auch jeder dass wenn er erstmal in Deutschland ist, gibt es auch eine Aufenthaltsgenehmigung. Inzwischen, ist dies glücklicherweise nicht mehr so. Klingt hart? Naja doch sehen wir es mal anders – was ist mit 80% chinesischen Bevölkerung? Denen geht es auch schlecht – holen wir die doch auch nach Deutschland. Was ist mit dem größten Teil der russischen Bevölkerung? Auch ab nach Deutschland. Und wenn bei den ~ 3 Mrd. Menschen die wir dadurch reingeholt haben, damit es ihnen besser geht noch Platz ist, wie wärs dann noch mit den armen Afrikanern und Brasilianern? Seien wir doch mal ehrlich und fangen lieber im eigenen Land an. Wenn ich durch Berlin gehe sehe ich obdachlose Jugendliche. Wer hilft denen? Wieso sind diese überhaupt in diese Lage gekommen und hätte man das nicht verhindern können? z.B. mit mehr Bildung – für die ja bekanntlich das Geld fehlt? Ich denke sie verstehen worauf ich mit diesem Kommentar hinaus will. Bitte verstehen sie mich nicht falsch. Ich werde ihnen mit Sicherheit ihre Meinung nicht aberkennen, im Gegenteil, es ist schön das jemand etwas unternimmt. Dennoch sind dies Probleme bei denen Grenzen gesetzt werden müssen. Und einzelne Schicksale können grausam sein, doch braucht man diese nicht im Ausland zu suchen, sondern findet diese auch im eigenen Land.
Am 23. März 2007 um 13:59 Uhr
Sehr geehrter Herr Martens,
gern würde ich mich mit Ihnen persönlich unterhalten.
Leider enthält Ihr Beitrag einige für mich falsche Aspekte und Floskeln, die mir zu allgemein sind. Ich denke, dass man so nicht diskutieren kann. Für eine Diskussion, damit sie sachlich bleibt, müssen bestimmte Rahmenbedingungen festgelegt werden.
Ich kann nicht die gefolterte und missbrauchte Afrikanerin, den Tamilen, auf dessen Körper brennende Zigaretten ausgedrückt wurden usw. als anonyme Masse behandeln.
Ich möchte den Einzelfall sehen. Der Einzelfall Mensch beantragt Asyl und nicht die Masse eines Volkes.
Wie Sie vielleicht gemerkt haben, geht es bei unseren Aktivitäten um Flüchtlinge, die verfolgt, misshandelt und gequält wurden.
Ich habe selbst die Narben der Frau aus Sierra Leone gesehen. Die Verletzungen und Folterspuren an Frau Thadchanamoorthy sind uns ebenfalls bekannt, usw..
Ihr Beitrag ist mir zu allgemein und stellt etwas in den Raum, was so nicht belegbar ist.
Ich möchte lieber am Einzelfall diskutieren.
Ich finde auch Ihre Einlassung in Bezug auf obdachlose Jugendliche als Begründung schwierig, da ich als Sozialarbeiterin leider auch zu oft die familiären Hintergründe kenne und diese mich betroffen machen, weil ich dort auch Verantwortung bei Familien selbst einfordern muss.
Nicht immer unser Bildungssystem ist schuld.
Ich kenne leider zu viele junge Menschen, die sich der Bildung verweigern.
Ich kenne leider zu viele junge Menschen, die die Stunden in der Schule nur absitzen, konsumieren und selbst keine Verantwortung für ihre Zukunft übernehmen.
Bei Familie Thadchanamoorthy geht es um Menschen, die sehr viele Jahre hier lebten. Die Kinder sind hier geboren. Bei meiner afrikanischen Freundin ist es ähnlich.
Ich möchte Sie einladen, uns anzurufen oder mit uns zu persönlich zu diskutieren, falls es Ihnen möglich ist.
Alle anderen Menschen möchte ich einladen am kommenden Wochenende in den Kirchengemeinden und anderen Stellen an Aktionen für die “Weltgerechtigkeit” teilzunehmen. Fastenessen, deren Erlös für die Entwicklungshilfe ist, Verkaufsaktionen dazu usw. stehen an vielen Orten auf dem Programm.
Das ist ein Anfang – wir müssen nur anfangen mit einem Stück mehr Weltgerechtigkeit.
Bei uns in Beelen geht es dazu um 10.30 Uhr am Pfarrheim an der Greffener Straße los. Ein schmackhaftes Essen wird auch serviert.
Elisabeth Wiengarten