Es droht eine humanitäre Katastrophe größten Ausmaßes

Von Karin Burghofer

Der Waffenstillstand in Sri Lanka war eigentlich nie das Papier wert, auf dem er geschrieben stand. Lediglich zwischen 2001 und 2004 gab es so etwas wie Ruhe. Trotz 70.000 Toten in den letzten Jahrzehnten waren beide Seiten kaum an einem Frieden interessiert. Seit Anfang letzter Woche eskaliert der Krieg zwischen Regierungstruppen und tamilischen Freiheitskämpfern in der Region Batticaloa an der Ostküste Sri Lankas wieder ganz offen.

Wie die Frankfurter Hilfsorganisation, medico international, mitteilt, sind die Flüchtlingszahlen in einer Woche um hunderttausend gestiegen. In der Folge massiver Luftangriffe und unausgesetzten Artilleriefeuers der srilankischen Armee befinden sich jetzt etwa 150.000 Menschen auf der Flucht. Die Armee treibt Flüchtlinge seit Tagen demnach gegen ihren Willen immer wieder in das von tausenden von Minen übersäte Kampfgebiet zurück. Sowohl Armee als auch Rebellen errichten Stellungen in unmittelbarer Nähe der Flüchtlingslager und mißbrauchen die Flüchtlinge bewußt als menschliche Schutzschilde.

Darüber hinaus führt die Regierungsarmee laut der Hilfsorganisation in den tamilischen besiedelten Gebieten bei Sampur ethnische Säuberungen durch. Sie vertreibt die tamilischen Bewohner und baut gezielt singhalesische Siedlungen auf. Die Helfer werden in ihrer Arbeit von Regierungs- und Armeestellen behindert, die gleichzeitig keinerlei Maßnahmen zur Versorgung der Flüchtlinge ergreifen. Nach Angaben des UN-Hilfskoordinators John Holmes ist nicht einmal die Grundversorgung gesichert, da es selbst an Unterkunftsmöglichkeiten, Nahrungsmitteln und Wasser fehlt. Die Menschen leben unter katastrophalen hygienischen Bedingungen und sind von massenhaften Durchfall- und Fiebererkrankungen bedroht.

Auch Dr. Wickremabahu Karunaratne, Führer der New Left Front (NLF) hat laut TamilNet am Montag auf einer Pressekonferenz der Nationalen Antikriegsfront (NFAW) im Hotel Nippon in Colombo die srilankische Regierung beschuldigt, die Demographie in der Ostprovinz verändern zu wollen, indem die tamilische Bevölkerung mit Gewalt vertrieben und Mitglieder der Mehrheits- Community angesiedelt werde. Bei dem Ziel des srilankischen Präsidenten Mahinda Rajapakse, eine singhalesisch-buddhistische Nation durch einen Sieg über den tamilischen Widerstand zu gründen, könne niemand erwarten, daß unter dem jetzigen Regime eine gerechte Lösung des ethnische Konfliktes gefunden werden könne, sagte er.

Insbesondere der Norden der Insel untersteht nicht mehr der Kontrolle der Zentralregierung, sondern ist de facto unabhängig. Jedenfalls existieren dort eigene Institutionen der Justiz, Verwaltung, Zentralbank, Militär usw.

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