Abgeschoben. Was dann?

Am 26. Oktober 2006 ist die Familie Thadchanamoorthy in Sri Lanka angekommen. Seitdem lebt die fünfköpfige Familie in der Hauptstadt Colombo in einem kleinen Zimmer mit nur einer verlausten Matratze und wenigen Habseligkeiten. Ohne gültige Ausweispapiere mit nur 100,- Euro „Startgeld“.
Die ersten erschütternden Eindrücke von der Familie, wie Nina Wiengarten sie erlebt hat, die zur Zeit ein Auslandssemester in Sri Lanka absolviert, schildert sie hier in ihrem ersten Bericht.

3 Reaktionen zu “Abgeschoben. Was dann?”

  1. Geschw. Linnenbrink

    Beckum, den 6.11.2006
    Sehr geehrter Herr
    Landrat Dr. Gericke

    Für Ihren Antwortbrief bedanken wir uns herzlich. Wir hatten nichts anderes erwartet.
    Vieles könnten wir darauf antworten, aber es erübrigt sich wohl wenn Sie von Frau Wiengarten den aufrüttelnden Appell gelesen haben. Waren Sie nicht auch wie wir erschrocken über die Situation in die diese arme Familie geraten ist?
    Jetzt bleibt uns eigentlich nur noch die Bitte: Helfen Sie mit, dass dieses schreiende Unrecht wieder gut gemacht wird. Wir haben vorerst das unsrige getan, indem wir einen finanziellen Beitrag leisteten. Was steht uns sonst noch zur Verfügung? Wir denken aber, dass Ihre Kompetenzen weiter reichen .Das Leid, das dieser Familie zugefügt wurde, muß wieder gut gemacht werden. Schöpfen Sie bitte alle Ihre Möglichkeiten aus bevor es zu spät ist. Wer gibt schon gerne einen Fehler zu? Es zeugt aber von sehr viel Zivilcourage und kann letztlich nur Sympathien wecken. Ob Ihrer Kariere damit gedient ist, wissen wir nicht. Die Bürger aber werden es Ihnen danken. Eben hörten wir die Ansprache von unserem Bundespräsidenten auf der Synode in Würzburg. Er sprach uns aus dem Herzen. Vielleicht macht Sie auch Ihnen Mut und hilft Ihnen nach Ihrem christlichen Gewissen zu handeln.

    Im Vertrauen auf Gottes Hilfe und seinen Beistand für Sie
    grüßen
    Geschw. Linnenbrink

  2. Elisabeth Wiengarten

    Liebe Damen,

    verehrte Geschwister Linnenbrink,
    herzlichen Dank für Ihre Worte.

    Sie treffen das Wesentliche.

    Ich melde mich bei Ihnen telefonisch.

    Herzliche Grüße auch von meiner Tochter, die ich heute kurz sprach. Ich habe ihr von unserem Telefonat erzählt. Frau Menaka Thadchanamoorthy und den Kindern geht es sehr schlecht. Auch Herr Thadchanamoorthy ist erkrankt. Ohne Papiere ein staatliches Krankenhaus aufzusuchen, ist zu gefährlich. Die Schwestern versuchen Ihre Wege zur Hilfe zu finden. Das kostet natürlich Geld, daher danke ich im Namen der Schwestern und meiner Tochter für die Spende.

    Ich bin jedoch der Meinung, dass der Kreis Warendorf durch sein Fehlverhalten für die Kosten aufkommen sollte. Vielleicht geschieht ja ein Wunder und die Verantwortlichen, die Fehler begangen haben, zeigen die Zivilcourage, die Sie sich in Ihrem offenen Brief wünschen.

    Alles Gute
    Elisabeth Wiengarten

  3. Klaus Aßhoff

    Die Kreisverwaltung und der Landrat müssen zweifellos im Rahmen der Gesetze handeln. Sie können sich nicht willkürlich Spielräume herausnehmen, die der Gesetzgeber nicht läßt. Der Landrat ist kein Gesetzgeber, sondern führt Gesetze durch. Die begonnene Abschiebung der tamilischen Familie durch die Behörden des Kreises Warendorf erscheint gleichwohl insgesamt als ein unverhältnismäßiger und harter Rechtsakt. Ein Teilaspekt dieser Vollstreckungsmaßnahme aber ist besonders fragwürdig: Offenbar ist der Säugling im Vollzug von seiner ohnedies kranken Mutter getrennt worden. Durften die Behörden in diesem Fall wirklich einer kranken Mutter das Kind wegnehmen und damit zugleich einem Säugling die Mutterbrust? Was zählt dessen Recht auf Unversehrtheit und das Sorgerecht der Eltern im Rahmen einer Abschiebung? Der Landrat steht weiterhin unter Erklärungsdruck. Und diese Erklärungen machen sichtbar Mühe. An dem Umgang mit dem unschuldigen Säugling zeigt sich wohl auch ihm, wie es um die Humanität steht, wenn „der Staat“ es zu eilig hat. Aber an einem Landrat, der schlecht schläft, kann niemandem gelegen sein. Wer ein derartiges Geschehen stoppen will, muß anders wählen als bisher. Damit verbrieftes Recht wird, was menschlich ist. Humane flüchtlingspolitische Positionen benötigen die Mehrheit der Wählerstimmen. Sonst wird es immer so weitergehen.

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