Lange Odyssee in ein neues Heimatland

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Warendorf (ap). Umeswaran Arunagirinathan ist noch ein kleiner Junge, etwa 13 Jahre alt, als wie aus dem Nichts ein Hubschrauber an Hamburgs Himmel auftaucht. Er versteckt sich, hat wahnsinnige Angst. Muss er jetzt sterben? Werden ihn Bomben treffen? Was sich anhört, wie ein Bericht aus dem Kriegsgebiet, passierte tatsächlich vor 16 Jahren in der Hansestadt an der Elbe. Am Freitagabend las der Autor, auf Einladung von Amnesty International, Buchhandlung Ebbeke und der Volkshochschule im alten Lehrerseminar aus seiner Autobiografie „Allein auf der Flucht“.

Umes, wie ihn seine Freunde nennen, kommt aus der Gegend um Jaffna im Norden Sri Lankas. Seit 1983 tobt hier, von den Medien fast unbemerkt, ein Bürgerkrieg zwischen Tamilen und Singhalesen. Seine Mutter heuert einen Schlepper an, der den damals zwölfjährigen Jungen nach Deutschland bringen soll- ohne Ausweispapiere. Statt einer Woche, wie geplant, dauert es acht Monate, ein Spießrutenlauf über Singapur, Dubai, Togo, Ghana, wieder Togo, Benin und Nigeria, bis er am Frankfurter Flughafen sicheren Boden betritt.

Von dort kommt er dann schließlich zu seinem Onkel nach Hamburg. Er ist wissbegierig, macht sein Abitur. Nur mit der englischen Sprache hapert es. Schon in seiner Heimat wollten ihm die Lehrer die Sprache einprügeln. „Gebracht hat es nichts“ ,sagt er. Sein Deutsch ist dafür umso besser. Heute ist Umeswaran Arunagirinathan 29 Jahre alt und studiert Medizin in Lübeck. Im Mai nächsten Jahres soll er nach Abschluss seines Studiums ausgewiesen werden.

Obwohl er seit 16 Jahren in Deutschland lebt, greift für ihn das neue Bleiberecht nicht. Sein Studium konnte er nur als ausländischer Student aufnehmen. Dazu musste er aus Deutschland ausreisen und einen entsprechenden Antrag vom Ausland aus stellen. Für viereinhalb Stunden war Arunagirinathan in Kopenhagen, stellte den Antrag und reiste wieder nach Deutschland ein. Sein Aufenthalt in Deutschland wird ab diesem Zeitpunkt berechnet. Zurück in sein Heimat will es auf gar keinen Fall. „ Ich fühle mich wie ein Deutscher und möchte meine Unabhängigkeit und Freiheit nicht mehr verlieren“, sagt der angehende Mediziner. Seinen Vater hat er seit 16 Jahren nicht mehr gesehen, seine Mutter traf er im vergangenen Jahr in London.
(Artikel aus der Glocke vom 18. Juni 2007)

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Bild oben: Umeswaran Arunagirinathan, der mit seiner bewegenden Lebensgeschichte die Zuhörer sichtlich in seinen Bann zog

Bild unten: Zuhörer Kirthian und David mit “Umes”

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