Der Gerechte

Einmal waren zehn Bauern miteinander unterwegs auf dem Feld. Schweres Wetter kam auf; sie flüchteten in einen naheliegenden Tempel. Der Donner näherte sich mit Getöse, die Blitze zuckten um den Tempel herum. Die Bauern fürchteten sich.
Es müsse wohl ein Sünder unter ihnen sein, meinten sie. Um Donner und Blitz zu besänftigen müssten sie ihre Strohhüte außen vor die Pforte des Tempels hängen. Wessen Hut hinweggeweht werde, solle sich dem Schicksal stellen.
Kaum hingen die Hüte draußen, wurde einer davon weggeweht. Erbarmungslos stießen die anderen den Unglücklichen vor die Tür – und der Blitz schlug in den Tempel ein.
Um des einzigen Gerechten willen war der Tempel bis dahin verschont geblieben.

Neu erzählt nach einem chinesischen Märchen

Frage: Wieviele Menschen jagen wir aus den Tempeln unserer Industriestaaten?

Mit Gruß Elisabeth Wiengarten

Gefunden auf der Seite vom Kontakte Musikverlag

www.kontakte-musikverlag.de

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