Dr. Oskar Flück – Sri Lanka Experte aus der Schweiz berichtet
Sonntag, 2. Dezember 2007, 20.00 h Heftige Gefechte mit Dutzenden von Toten + Hoher Blutzoll unter Zivilisten
Innenpolitik: Die LTTE-kritische Asian Tribune schreibt heute von einer Kollektivstrafe gegen alle Tamilen mittels Verhaftungen. Alleine am Samstag seien über 1000 Tamilen verhaftet worden. Dies sei der Beginn einer ethnischen Säuberung. (AT) Heute Sonntag sind laut BBC erneut über 500 Tamilen in der Hauptstadt verhaftet worden. (BBC) Seit Samstag ist die Zahl der Verhafteten auf über 1´500 angestiegen. Fast alle davon sind ethnische Tamilen und Tamilinnen. (TN) Die srilankische Regierung hat Reisen von Zivilisten aus den Rebellengebieten verboten. Nur in medizinischen Notfällen, bei Behördenterminen und offiziellen Geschäften würden restriktiv Ausnahmen gestattet. Ziel sei es, eine Infiltration des Südens durch Rebellen zu verhindern. (il) Die SLMM, die eigentlich den Waffenstillstand überwachen sollte, ist tief besorgt. Die Gefechtstätigkeit sei gleich wie jene vor dem Waffenstillstandsabkommen. Es seien vom 25. bis 28. November 49 Zivilisten in Vanni (LTTE-Gebiet) und im Grossraum Colombo getötet und 60 verletzt worden. (AP)
Die srilankische Regierung will die Budgetdebatte auf 7 Tage verkürzen, angeblich aus Sicherheitsgründen. (CP)
Aussenpolitik: Grossbritannien warnt vor Reisen nach Sri Lanka. Die Gefahr von Bombenanschlägen sei momentan sehr hoch. (CP) In Indien hat der Gipfel zwischen Indien und EU mit der Aufforderung nach Sri Lanka geendet, eine Verhandlungslösung zu suchen. Es würde keine militärische Lösung geben. (TN) Sri Lanka hat vom Iran die Zusicherung von Öllieferungen bekommen, die 70% des nötigen Bedarfs decken würden.
Sicherheit und Menschenrechte: In dem Rebellengebiet sollen sämtliche LTTE-Büros in unterirdische Zentralen verlagert worden sein. (il) Die Armee betreibt an den Fronten zum Rebellengebiet eine Zermürbungstaktik um möglicherweise grösseren Offensiven den Weg zu bereiten. (geoflueck)
Das Verteidigungsministerium weist Anschuldigungen von internationalen Medienorganisationen zurück, wonach die Bombardierung einer LTTE-Radiostation ein Kriegsverbrechen sei. (il) Die Karuna-Gruppe (TMVP) hat im November 22 Kindersoldaten (15-18jährig) entlassen. Die SLMM betont aber, dass noch weitere in den Lagern seien. (il)
Zwischenfälle: Armee berichtet von 58 gefallenen Rebellen und 6 toten Soldaten Samstag und Sonntag
Jaffna: In Muhamalai sollen heute Sonntag, 15.50 h, 2 Rebellen von der Armee getötet und 2 Bunker zerstört worden sein.Gestern Abend um 20.30 h will die Armee 4 Rebellen getötet und 2 Bunker zerstört haben. Gestern Samstag morgens will die Armee am gleichen Ort 6 Rebellen getötet haben. Am Freitag Abend starb bei Muhamalai ein Soldat und einer wurde verletzt. In Vadiri bei Jaffna hat sich ein Rebell selber in die Luft gejagt, als am Sonntag Morgen eine grossrazzia sich näherte. Eine Landminenexplosion hat um 8.00 h (Sonntag?) in Urani, nördlich von Jaffna, einen Soldaten getötet und einen verletzt.
Vavuniya: Bei Periyapantichurichcham (Periyathampanai), westlich von Vavuniya, will die Armee am Samstag, 11.35 h 20 Rebellen getötet und 25 Rebellen verletzt haben. Auf ihrer Seite seien nur 9 Soldaten verletzt worden. Auch BBC erwähnt, dass die Armee ihre Zahlen stark übertreibt. Um 16.15 h will die Armee gleichentags noch bei Periyathampanai 4 LTTE-Bunker zerstört haben. Mannar: Die Armee berichtet von heftigen Kämpfen am Samstag südlich von Adampan, westlich von Mannar. Dabei will die Armee 23 Rebellen getötet und 57 verletzt haben. Es seien 3 Soldaten gestorben und 25 verletzt worden. Am Abend um 16.45 h habe heftiges LTTE-Mörserfeuer bei Adampan 2 Soldaten getötet und 6 verletzt. Mullaithivu: Bei Kokkuthuduwai will die Armee am Samstag, 12.00 h 2 Rebellen getötet haben. Batticaloa: Bei Kalmadu, Region Kaluwanchikudy, wurde am Samstag, 12.30 h, ein 25jähriger Ex-LTTE-Mann auf dem Fahrrad fahrend von einem Motorrad aus erschossen.
Samstag, 1. Dezember 2007, 16.05 h Neue Gefechte + Verhaftungswelle im Süden
Aussenpolitik: Sri Lanka hat die Mahnungen des IWF zurück gewiesen und will die Subventionen auf Treibstoffe nicht kürzen.
Gesundheit: Der Anteil von Frauen, die HIV+ sind, also mit dem AIDS-Virus infiziert, ist von 21% (1992) auf 42% (2006) angestiegen. Viele seien durch ihre Ehemänner oder andere Männer angesteckt worden. Von diesen hätten viele im Ausland gearbeitet. Sicherheit und Menschenrechte: In Colombo und in weiteren Gebieten im Süden sind seit Donnerstag rund 1´000 Tamilen bei Grossrazzien festgenommen worden. Eltern von rund 100 Verhafteten demonstrierten im Grossraum Colombo dagegen. Die Opferzahl des Anschlages in Nugegoda ist auf 20 angestiegen.
Zwischenfälle:
Jaffna, Vavuniya, Mannar, Kilinochchi: Bei Gefechten an den Fronten im Norden sollen heute 15 Rebellen und 3 Soldaten getötet worden sein, allein in der Region Mannar 9 Rebellen. Am Freitag sollen mindestens 7 Rebellen getötet worden sein. Am Freitag flogen srilankische Kampfflugzeuge zwei Angriffe auf Pooneryn, nordwestlich von Kilinochchi.
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