Rückkehr zum Bürgerkrieg im Norden Sri Lankas
http://www.tagesschau.de/ausland/srilanka12.html
2002 hatte die Regierung Sri Lankas mit den tamilischen Rebellen einen Waffenstillstand vereinbart. Zuletzt bestand dieser meist nur noch auf dem Papier und so kündigte Sri Lanka das Abkommen vergangene Woche auf. Seitdem flammt der Bürgerkrieg im Norden der Insel wieder auf, Dutzende Menschen starben allein dieses Wochenende.
Erhöhte Sicherheit: Kontrollen an den Einfahrtsstraßen nach Colombo (Fotos: AP)
Tamilischer Geheimdienstchef getötet
Rückkehr zum Bürgerkrieg im Norden Sri Lankas
2002 hatte die Regierung Sri Lankas mit den tamilischen Rebellen einen Waffenstillstand vereinbart. Zuletzt bestand dieser meist nur noch auf dem Papier und so kündigte Sri Lanka das Abkommen vergangene Woche auf. Seitdem flammt der Bürgerkrieg im Norden der Insel wieder auf, Dutzende Menschen starben allein dieses Wochenende.
Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Südostasien
Die sri-lankische Armee und auch die mit den LTTE-Rebellen sympathisierende Website tamilnet.com haben den Tod des Geheimdienstchefs der tamilischen Befreiungstiger bestätigt. Nach Angaben der tamilischen Internetseite ist “Oberst Charles”, der mit richtigem Namen Shanmuganathan Ravishankar hieß, im Norden Sri Lankas durch eine am Straßenrand versteckte Bombe getötet worden. Die Sprengfalle soll das Auto des hochrangigen LTTE-Führers zerfetzt haben.
Für den Anschlag macht die tamilische Website ein Sonderkommando der sri-lankischen Armee verantwortlich, das tief in Rebellenterritorium eingedrungen sein soll. Die Armee selber gibt offiziell keine Details bekannt. Die Kämpfe im Norden Sri Lankas haben seit Freitag mehr als 30 Menschen das Leben gekostet. Nach Angaben der Armee sollen alle Getöteten Rebellen sein. Eine unabhängige Überprüfung ist nicht möglich, weil Journalisten aus den Kampfgebieten ferngehalten werden.
Politische Beobachter und Menschenrechtsgruppen befürchten, dass die neue Welle der Gewalt ein klares Indiz dafür ist, dass der Bürgerkrieg auf Sri Lanka wieder in voller Härte ausbricht. Die Regierung hatte am Mittwoch den Waffenstillstand mit den Rebellen nach sechs Jahren für beendet erklärt, nur wenige Stunden nach einem Bombenanschlag in der Hauptstadt Colombo. “Keine weiteren Verhandlungen”, sagte Informationsminister Anura Pryiadarshana Yapa zu Journalisten. “Es sei denn, die LTTE-Rebellen legen ihre Waffen nieder.”
Diplomatischer Scherbenhaufen
Norwegen hatte den Waffenstillstand 2002 vermittelt. Jetzt stehen die Skandinavier vor dem Scherbenhaufen ihrer jahrelangen Bemühungen. Es bleibt nur eine Galgenfrist: Laut der Vereinbarung von 2002 muss erst noch eine Frist von 14 Tagen verstreichen, bevor die Kündigung des Waffenstillstands endgültig ist. Eric Solheim, der norwegische Minister für internationale Entwicklung, sprach am Mittwoch von einer gefährlichen Entwicklung und deutete an, dass die Skandinavier ihre Beobachtermission zum Stichtag 16. Januar abziehen werden.
Seit der singhalesische Nationalist Mahinda Rajapaksa im November 2005 die Präsidentschaftswahlen auf Sri Lanka gewonnen hat, wurde der Waffenstillstand immer öfter gebrochen. In immer kürzeren Abständen gibt es Bodengefechte, Luftangriffe und Selbstmordanschläge.
Die LTTE-Rebellen kämpfen seit Anfang der 80er Jahre gewaltsam für einen eigenen Staat für die unterdrückte, tamilische Minderheit im Nordosten der Insel. Die singhalesisch dominierte Regierung in Colombo will einen eigenen Tamilen-Staat unbedingt verhindern. In dem blutigen Bürgerkrieg sind bisher rund 70.000 Menschen ums Leben gekommen.

