23 Tote bei Anschlag vor Ablauf des Waffenstillstands

 

In Sri Lanka sind bei einem Bombenanschlag auf einen Nahverkehrsbus laut Armee mindestens 23 Menschen getötet und 67 verletzt worden. Ein Armeesprecher sagte, dass Kinder an Bord des Busses gewesen seien. Ein Krankenhaussprecher bestätigte das verletzte Schulkinder behandelt worden seien. Der Anschlag ereignete sich kurz vor Ablauf des Waffenstillstands zwischen Regierung und Tamilen-Rebellen. Internationale Beobachter fürchten nun eine Eskalation der Gewalt.

Von Christoph Heinzle, ARD-Hörfunkstudio Südasien, zurzeit Colombo


Der Sprengsatz war nach Angaben der srilankischen Armee am Straßenrand deponiert. Am Morgen um 7 Uhr 40 Ortszeit detonierte die Bombe und traf einen Nahverkehrsbus mit Schulkindern. Laut Polizei gab es mehr als 23 Tote und Dutzende Verletzte. Der Anschlag ereignete sich im Südosten Sri Lankas nahe dem auch bei Touristen beliebten Yala-Nationalpark. Die Armee machte die Tamilenrebellen der LTTE verantwortlich.

Es sind solche Anschläge wie der von heute die die Stimmung in den vergangenen zwei Jahren kippen ließen. Über 80 Prozent der Bevölkerungsmehrheit der Singhalesen sind laut Umfragen inzwischen für einen neuen Krieg. “Der LTTE sollte man den Garaus machen. Terroristen sind weltweit ein Problem, sie sollten in unserem Land ausgelöscht werden”, sagte einer.

Regierung setzt die Armee in Marsch

Die Regierung ist fest entschlossen, die Stimmung zu nutzen: Vieltausendfach habe die LTTE den Waffenstillstand gebrochen, die Armee nur einige hundert Male – Mit dieser Begründung kündigte Präsident Mahinda Rajapakse vor zwei Wochen den einst historischen Waffenstillstand nach sechs Jahren und setzte die Armee in Marsch. In einer Offensive von allen Seiten geht sie gegen die LTTE im Norden vor – im vergangenen Sommer schon hatte man den Osten zurückerobert. In diesem Jahr noch will man den Sieg feiern.


Militärsprecher General Udaya Nanayakkara gibt sich gegenüber dem ARD-Hörfunkstudio Südasien entsprechend überzeugt: “Wenn wir so weitermachen, können wir die LTTE vernichten. Wenn wir den Druck der vergangenen eineinhalb Jahre aufrechterhalten, dann können wir sie militärisch besiegen und sie damit an den Verhandlungstisch bringen für eine politische Lösung.”

LTTE warnt vor Blutbad

Die LTTE ist militärisch geschwächt nach den Verlusten der vergangenen beiden Jahre, doch ob sie zu besiegen ist, erst recht so schnell, das bezweifeln viele Beobachter. Die Rebellen dürften auf die Offensive mit weiteren Bombenanschlägen reagieren, auch im ruhigen Süden, weitab von der Frontlinie. Nallathamby Srikantha von der LTTE-nahen Tamilenpartei TNA warnt daher, es könne keine militärische Lösung geben: “Wir stehen vor einer Phase von Zerstörung und Unheil. Die LTTE militärisch zu besiegen ist ausgeschlossen. Man kann sie bekämpfen, ihr Niederlagen beibringen, Teile ihres Gebiets erobern. Aber das wird nicht dauerhaft sein. Wenn das Militär eine Offensive beginnt, kann das auch die LTTE – anderswo, und überall”, sagt er.

Skandinavische Beobachter ziehen ab

Um Mitternacht Ortszeit läuft das Waffenstillstandsabkommen aus. Am Abend bereits beendet die Mission skandinavischer Beobachter ihre Arbeit. Immer und immer wieder hatten beide Seiten gegen das Abkommen verstoßen, das nur noch auf dem Papier stand. Dennoch hatte es Wert, meint der Friedensaktivist und unabhängige Experte Jehan Perera: “Das Waffenstillstandsabkommen gab den Menschen eine psychologische Sicherheit, dass der Krieg gewisse Grenzen nicht überschreiten würde. Außerdem ist der Verlust der Waffenstillstandsmission spürbar. Sie konnte über Ereignisse berichten und wirkte abschreckend gegen massive Gewalt. Nun fehlt das, damit ist der Weg frei für sehr großflächige Gewalt.

Geldgeber wollen Hilfszusagen überprüfen

Die internationale Gemeinschaft reagierte mit Sorge auf die Entwicklung und warnte vor neuer Gewalt und mehr zivilen Opfern. Das Ausland müsse nun Druck machen, meinen viele in Sri Lanka. Das Land ist von ausländischer Unterstützung abhängig. Einige Länder wollen nun ihre Hilfszusagen überprüfen, etwa der größte Geber Japan: “Was die Regierung tut oder nicht tut, wird wichtig sein für die Überlegungen”, sagte der japanische Sondergesandte Yasushi Akashi gestern in Colombo. Doch noch gibt es keine konkreten Schritte – und keine Einigkeit unter den wichtigsten internationalen Kräften, darunter auch die EU

 http://www.tagesschau.de/ausland/srilanka18.html

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