Tag gegen die Abschiebung – 30. August 2008
Viele Menschen mit Verantwortungsgefühl denken an die Familie Thadchanamoorthy.
Ihnen voran 86jährige Helene Hannappel aus Warendorf!
Der Tag wird in ganz Deutschland und Österreich begangen.
Kreis Warendorf/ Warendorf/Münsterland. Wenn sie auf das Bild der Familie Thadchanamoorthy schaut, funkeln ihre Augen wütend. Die Rede ist von Helene Hannappel, die in Warendorf wohnt. Helene Hannappel ist 86 Jahre alt und eine Frau, der man ihr Alter in keiner Weise anmerkt. Sie ist eine kritische Kämpferin für Recht und Gewissen nach den Maßstäben des christlichen und humanitären Handelns. Seit der Abschiebung der Familie Thadchanamoorthy hat sie den Fall in der Zeitung verfolgt und auch mit den Unterstützern gesprochen. Apisan, Apirami und Apinaeja Thadchanamoorhty haben für die rüstige Rentnerin schon Bilder gemalt und Herr Thadchanamoothy hat ihr geschrieben. Die abgeschobene Familie, die unter grauenvollen Angstzuständen in Sri Lanka leben muss, freut sich, dass sie von Helene Hannappel unterstützt wird. Die gradlinige Dame sorgt mit anderen zusammen dafür, dass die Familie in Sri Lanka überleben kann.
Denn noch immer darf Herr Thadchanamoorthy keine Arbeit aufnehmen. Bekannt ist inzwischen sicherlich allen Menschen im Kreis Warendorf und darüber hinaus, dass er ohne gültige ID-Karte abgeschoben wurde. Wer aus dem ganzen Bereich der an dem Asylverfahren beteiligten Personen für den Verlust der Karte letztlich verantwortlich ist, kann immer noch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit gesagt werden. „Wir geben aber nicht auf, haben schon viele konkrete Anhaltspunkte, aber wir forschen weiter”, so die Unterstützer der Familie. Mit den bisher gegebenen Antworten möchten sie sich noch nicht zufrieden geben, da es vielschichtige Hinweise gibt. „Was aber für mich vor meinem Gewissen fest steht”, so Elisabeth Wiengarten vom Unterstützerkreis, „eine Abschiebung nach Sri Lanka ohne gültige ID-Karte stellt für mich persönlich eine Menschenrechtsverletzung dar, egal, ob jemand für den Verlust der Karte direkt verantwortlich war oder nicht. Das ist meine Meinung, die ich auf die christliche Grundhaltung unserer abendländischen Gesellschaft gründe”
Auch Helene Hannappel sieht es so. Was die Warendorfer Bürgerin aber noch viel mehr bedrückt, ist die Tatsache, dass drei Kinder, die in Warendorf geboren wurden, in ihren Augen Warendorfer sind, in ein Land abgeschoben wurden, das sie nicht kannten und in dem sie immer noch in purer Angst leben. „Ich weiß aus eigener Erfahrung wie es im Krieg war”, so Helene Hannappel. Lebhaft kann sie sich vorstellen, welche Angst die Kinder haben, wenn Bomben fliegen, auf der Straße geschossen wird, der Vater von Polizisten mitgenommen wird, weil er keine ID-Karte hat und vieles mehr. „Ich habe am Mittwoch dieser Woche noch mit Herrn Thadchanamoothy telefoniert. Wir unterhalten uns in Deutsch.
Er hat zurzeit große Angst um seine Frau. Ihr geht es gesundheitlich wieder sehr schlecht. Die Kinder sind froh, dass zurzeit Ferien sind. Besonders Apisan und Apirami hatten Angst bei der Bürgerkriegssituation in den letzten Tagen vor den Ferien zur Schule gehen zu müssen”, so Elisabeth Wiengarten. Da der Vater keine ID-Karte hat, war es schwierig für die Kinder überhaupt Schulplätze zu finden.Helene Hannappel weiß von dem unermüdlichen Einsatz der Ordensschwestern vom Guten Hirten. „Ohne die Ordensschwestern wäre die Familie verloren. Die haben auch geholfen, dass die Kinder überhaupt einen Schulplatz gefunden haben.” Nachdenklich sitzt Helene Hannappel in ihrem Wohnzimmer. Die Seniorin hat erfahren, dass der 30. August 2008 der Tag gegen die Abschiebung ist. Gern hätte sie sich selbst an einer Protestaktion am Tag gegen die Abschiebung beteiligt.
Die Gruppe von www.abgeschoben-waf.de weiß, dass überall in Deutschland und Österreich verschiedene Gruppen um den 30. August 2008 herum Aktionen planen. Der Protest richtet sich gegen das System der Migrationskontrolle, gegen die Selektion von Einwanderern und gegen die Brutalität des Abschiebesystems. „Diese Brutalität hat auch das Leben der Familie Thadchanamoorthy zerstört. Die Familie muss nach Warendorf zurückkehren dürfen. Ich fordere den Landrat, die Kreisverwaltung und die Bürgerinnen und Bürger des Kreises Warendorf auf, sich dafür einzusetzen”, so Helene Hannappel, die dies als eine christliche Menschenpflicht ansieht.
Im Bereich des Aktionstages gegen Abschiebung hat sich die Warendorfer Gruppe www.abgeschoben-waf.de mit einer Unterschriftskampagne von Pro asyl solidarisiert. Zu der Aktion gibt es Unterschriftslisten mit ausführlichen Erläuterungen und dem Titel „Stoppt das Sterben”. Dabei geht es um die unmenschlichen Zustände an Europas Außengrenzen.
Wer sich an der Aktion beteiligen möchte, kann bei Elisabeth Wiengarten, Telefon 02586/970034, Unterschriftslisten anfordern oder direkt unter www.stoppt-das-sterben.eu, bzw. bei www.proasyl.de ´.Auf diesen Seiten gibt es auch vielfältige Informationen. Die Unterschriften sollen zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember 2008 dem Europäischen Parlament übergeben werden.” Die Aktion ist sehr gut”, so Helene Hannappel. Doch für die Seniorin zählt der jüdische Ausspruch aus dem Film „Schindlers Liste: „Wenn du einen Menschen rettest, dann rettest du die ganze Welt”. Deswegen möchte Helene Hannappel in Ihrer Warendorfer Wohnung die Familie Thadchanamoorthy begrüßen können, der sie sich sehr verbunden fühlt.
Spenden für die Familie Thadchanamoorthy, für Lebensunterhalt und Kosten für den Rechtsanwalt in Sri Lanka usw. sind unter Konto 706 233 501, BLZ 478 613 17 möglich. Bitte für die Spendenquittung die genaue Anschrift angeben.
Helene Hannappel freut sich über die Post aus Sri Lanka, besonders über die Bilder, die die Kinder der Familie Thadchanamoorthy malten.
Ein Bild der Familie Thadchanamoorthy, das von dem kleinen Jungen Apisan gemalt wurde, der sehr gern wieder zu seinen Freunden nach Warendorf möchte.
Foto der Familie – aufgenommen im Frühjahr dieses Jahres 2008
