Mehr als 50 Zivilisten getötet
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Erschienen am 04. Februar 2009
Der Bürgerkrieg zwischen Regierung und Rebellen in Sri Lanka fordert immer mehr Todesopfer.
Bei heftigen Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen im Norden von Sri Lanka sind nach Angaben der Vereinten Nationen 52 Zivilpersonen getötet worden. Mindestens 80 Menschen seien seit Dienstag teils schwer verletzt worden, wie UN-Sprecher Gordon Weiss in Colombo mitteilte.
Die Opfer hätten sich zum Teil in einer von der Regierung ausgewiesenen Sicherheitszone befunden, die nicht Ziel von Angriffen sein sollte. Das letzte funktionierende Krankenhaus in den umkämpften Gebieten sei von Streubomben getroffen worden.
Sri Lanka Krankenhaus bombardiert
Colombo Deutscher Botschafter unter Druck
UN-Mitarbeiter sitzen fest
In der Nähe gebe es auch Luftangriffe, sagte Weiss. “Wir haben große Angst um die Sicherheit unserer Mitarbeiter und ihrer Familien.” 15 UN-Mitarbeiter und 81 Familienmitglieder waren im Gebiet von Puthukkudiyiruppu eingeschlossen. Das Krankenhaus war zu 90 Prozent leer, nachdem es bereits am Wochenende von Artillerie beschossen worden war. Dabei waren mindestens zwölf Menschen getötet worden.
Vorwurf: Streubomben eingesetzt
Die Regierung nahm zum Vorwurf der Verwendung von Streubomben zunächst nicht Stellung. Der Bericht vom Mittwoch war der erste über die Verwendung von Streubomben seit eine Friedensvereinbarung zwischen Regierung und Rebellen 2006 geplatzt war. Streubomben können bis zu mehrere hundert sogenannte Bomblets enthalten, die eine große Flächenwirkung entfalten und damit ungezielt zahlreiche Menschen töten und verletzen können.
Vermutlich rund 250.000 Menschen eingeschlossen
Das Rote Kreuz und Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Verwendung dieser Munition heftig und setzen sich für ein weltweites Verbot ein. In der umkämpften Region Vanni und den angrenzenden Gebieten, die von den Rebellen noch gehalten werden, sollen rund 250.000 Zivilpersonen eingeschlossen sein.
Die Außenminister der USA und Großbritanniens riefen die Kriegsparteien in Sri Lanka unterdessen zu einer sofortigen und befristeten Waffenruhe auf. Eine Feuerpause müsse es Zivilpersonen und Verletzten ermöglichen, die umkämpften Gebiete zu verlassen, erklärten Hillary Clinton und David Miliband am Dienstag nach einem Treffen in Washington. Langfristig müsse es für den Konflikt zwischen Regierungstruppen und tamilischen Rebellen eine politische Lösung geben. “Es ist jetzt Zeit, die politischen Gespräche wieder aufzunehmen.”
Regierung: Rebellen fast geschlagen
Der srilankische Präsident Mahinda Rajapaksa erklärte am Mittwoch anlässlich des 61. Jahrestags der Unabhängigkeit des Landes, der Aufstand der Rebellen für einen eigenen Staat im Norden der Insel sei fast völlig niedergeschlagen. “Unsere heldenhaften Streitkräfte haben es uns ermöglicht, die Unabhängigkeit in einem Land zu feiern, das fast völlig frei von Terrorismus ist”, sagte Rajapaksa. Alle, die wegen des Bürgerkriegs aus dem Land geflohen seien, sollten nun nach Hause zurückkehren.
Menschliche Schutzschilde?
Die Armee hat die Tamilen-Rebellen (LTTE), die einst weite Teile der Insel kontrollierten, auf einen kleinen Streifen Land im Nordosten zurückgedrängt und dort eingekesselt. Hilfsorganisationen haben ihre massive Sorge über das Schicksal der nach ihren Angaben rund 250.000 im Kampfgebiet eingeschlossenen Zivilisten geäußert. Die Regierung wirft der LTTE vor, die Zivilisten dort als menschliche Schutzschilde zu nutzen und sie gewaltsam an der Flucht zu hindern. Die Rebellen kritisieren ihrerseits, die Armee beschieße die Gegend, ohne Rücksicht auf Unbeteiligte zu nehmen.
Bürgerkrieg kostete bereits rund 70.000 Menschenleben
Die Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam kämpfen seit rund 25 Jahren für einen eigenen Staat der Tamilen im Norden der Insel Ceylon und hatten dort in den vergangenen Jahren de facto die Kontrolle übernommen. Zuletzt mussten die Rebellen jedoch heftige Verluste im Kampf gegen die Regierungstruppen hinnehmen, denen es gelang, wichtige Gebiete zurückzuerobern. Der Bürgerkrieg hat bereits mehr als 70.000 Menschen das Leben gekostet.
Keine unabhängigen Beobachter
Nach Angaben der Armee starben seit Beginn der Offensive gegen die LTTE im August 2006 mehr als 12.000 Rebellen und 3500 Soldaten. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es nicht. Das Militär gewährt Journalisten und anderen unabhängigen Beobachtern keinen Zugang zum Kampfgebiet. Die LTTE steht auch in der EU auf der Liste der Terrororganisationen.