Der vergessene Konflikt

Liebe Freunde
250′000 Zivilisten sind in Sri Lankas Bürgerkrieg zwischen den Fronten in Lebensgefahr.

Manches deutet darauf hin, dass der Bürgerkrieg in Sri Lanka, Asiens am längsten andauernder Krisenherd, zu einem Ende kommen könnte – aber in den weiterhin blutigen Kämpfen sind über 250′000 Menschenleben akut gefährdet. Während der letzten Monate sind Hunderte Zivilisten umgebracht und Tausende verwundet worden und die behördliche Schutzzone ist zu einer tödlichen Falle geworden.

Einflussreiche Staaten, die Sri Lanka unterstützen, darunter die Europäische Union, Japan und die USA, haben diese Woche dazu aufgerufen folgende Punkte zu verwirklichen – Schutzzonen müssen respektiert werden, Nahrungsmittel und medizinische Hilfe für Verletzte und Kranke, regelmässige Waffenruhe zugunsten der Zivilbevölkerung und der Hilfsorganisationen. Damit endlich Etwas geschieht, müssen die Geberländer Druck aufsetzen – Sie müssen klar machen, dass es einen Preis haben wird, wenn Regierung und Rebellen der Zivilbevölkerung weiterhin keinen Schutz bieten: Der Entzug der Reise-Visa für Top-Regierungsmitglieder und die Einstellung der militärischen Hilfe, die unmissverständliche Warnung, dass Rebellenführer und Militärs für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verfolgt werden.

Der Konflikt in Sri Lanka wurde schon der “vergessene Krieg” genannt. Aber wenn genug von uns die Regierungen der EU, USA, Japan und weitere Schlüsselstaaten dazu aufrufen Druck auf die Kriegsparteien auszuüben, können wir damit ein Zeichen setzen, dass wir nicht vergessen haben, dass Menschenleben in Gefahr sind – und wir können den Schutz der Zivilbevölkerung zu einer diplomatischen Priorität machen.
Von den hiesigen Medien oft verschwiegen, gab es in Sri Lankas langem Krieg auf beiden Seiten Gräuel und Verbrechen — die meisten unentdeckt, bedingt durch eine brutale Kampagne gegen den unabhängigen Journalismus. Das Ende der Kämpfe alleine wird das begangene Unrecht nicht wieder gutmachen; nachdem die Waffen niedergelegt worden sind, müssen die berechtigten Anliegen der tamilischen Bevölkerung und anderer Minderheiten im politischen Dialog und im darauf folgenden Wiederaufbau erörtert werden.

Aber jetzt, in diesen letzten Kriegswochen oder vielleicht Tagen, darf die viertel Million eingeschlossener tamilischer Zivilisten nicht den Kampfhandlungen zum Opfer fallen.

Lasst uns unsere Stimmen hinzufügen, zu jenen von Aktivisten und Menschenrechtlern, die über Jahre hinweg in ganz Sri Lanka gegen die Ausgrenzung von Minderheiten und gegen die Missachtung von Grundrechten gekämpft haben.

Hoffnungsvoll,
Luis, Ben, Graziela, Ricken, Brett, Paula, Alice, Iain, Pascal, Paul, Milena und das gesamte Avaaz-Team

Weitere Infos und Unterschriften-Aktion:

http://www.avaaz.org/de/sri_lanka_civilians/?cl=184654686&v=2843

4 Reaktionen zu “Der vergessene Konflikt”

  1. Team von Abgeschoben-waf

    Montag, 9. Februar 2009, 17.25 h Anschlag in Registrierzentrum für Vertriebene: 20 Soldaten und 8 Zivilisten tot + Karuna zur SLFP

    Inneres: Das Leiden der tamilischen Bevölkerung geht weiter – diesmal allerdings waren Zivilisten von einem Selbstmordattentat einer Suizid-Kämpferin der LTTE mitbetroffen. Der Anschlag war aber primär gegen Soldaten gerichtet – er tötete 20 Soldaten, darunter 3 Frauen – aber auch 8 Zivilisten. Die Attentäterin zündete den Sprengsatz bei einer Kontrolle im Registrierzentrum von Visvamadu, in Surantharanpuram bei Tharmapuram heute Montag um 11.30 h. Betroffen waren Truppen der 58. Division. 50 Soldaten und 40 Zivilisten seien verletzt worden. (BBC, CP, SLA) Die UNO verurteilte den Anschlag umgehend – er schade der leidenden Zivilbevölkerung. Die LTTE müsse ihre Kämpfer von den Zivilpersonen trennen. (il) Die USA sehen im Anschlag eine Strategie, um Zivilisten einzuschüchtern, damit sie nicht aus dem Rebellengebiet flüchten. (CP) Ich persönlich sehe im Anschlag eine bekannte Strategie der LTTE, um bei der Armee so grossen Schaden wie möglich anzurichten – ohne Rücksicht auf allfällige zivile Verluste. (geoflueck)

    Der TMVP-Gründer Karuna will innerhalb der nächsten 3 Wochen in die regierende SLFP eintreten. (CP) Das Gesundheitsministerium in Sri Lanka möchte, dass das ICRC die Verantwortung für die Evakuierung verletzter Zivilisten aus dem Raum Puthukkudiyiruppu übernimmt. (CP, il) TULF-Chef Anandasangaree will, dass die TNA verboten wird, wegen ihrer Nähe zur LTTE. (AT) Die Zahl der geflohenen Tamilen aus dem aktuellen Kriegsgebiet wird mit 14′000 angegeben und dürfte bald 15′000 erreicht haben. (CP) Gestern sollen bei Armeeangriffen weitere 80 Zivilisten im Rebellengebiet getötet worden sein. Speziell auf der Strasse von Paranthan nach Puthukkudiyiruppu sollen im Rebellengebiet mindestens 40 Leichen liegen. (TN)

    Wirtschaft: Der Sensex in Bombay gewann am heutigen Montag 3.04% und schloss auf 9′583.89 Punkten. Damit hat er innerhalb einer Woche um rund 500 Punkte zugelegt. Der Nikkei in Japan hingegen verlor heute 1.33%, während die Börse in Hongkong mit 0.84% im Plus stand. Der Dow Jones liegt momentan leicht im Minus. (BBC) Die Rupie steht heute auf 113.87 pro US $ fast unverändert. Ein Euro: 147,31 Rupien, ein Schweizer Franken: 98.02 Rupien. (www.oanda.com Kurse in Geld, nicht Brief)

    Militärische Entwicklung: Heftige Kämpfe gehen weiter, Anschlag auch im Ampara Distrikt

    Kilinochchi/ Mullaithivu: Die Armee berichtet einem Luftangriff gegen eine Gruppe von Rebellen in Vellamulla, Vaikkal, heute um 7.00 h.(SLA) Bei einem Seegefecht sollen vor Palamuththalan, nördlich von Mullaithivu, am Wochenende zwei kleinere Rebellenboote zerstört worden sein. (SLA)
    Ampara: Rebellen wollen an der Strasse Ukanthai-Panama einen Traktor der STF durch eine Landminenexplosion in die Luft gejagt haben . Dabei seien 3 STF-Angehörige getötet worden. (TN) Am Samstag Nachmittag will die Armee (59. Division) südlich von Puthukkudiyiruppu ein gepanzertes Transportfahrzeug der LTTE zerstört und einen Infiltrationsversuch verhindert haben. (SLA) Bei einem Luftangriff zur Unterstützung der 59. Division bei Mullaithivu von Freitag Abend soll laut Armee der Chef der Seatiger, Soosai, angeblich getötet oder „Missed in Action“ sein. (SLA)
    Mannar: Am Donnerstag Abend wurde ein Tamile in der Stadt Mannar aus einem Van heraus erschossen, als er auf der Strasse unterwegs war. (TN)
    Colombo: Bei einem Handgemenge in einem Polizeijeep ist in Colombo am Sonntag ein Tamile erschossen worden. (TN)

  2. Team von Abgeschoben-waf

    Donnerstag, 12. Februar 2009, 16.40 h Täglich sterben Dutzende von Zivilisten

    Seit Wochenanfang sind wieder über 100 Zivilisten als Folge von explodierenden Geschossen umgekommen. Darunter sind 16 Patienten im Notspital von Putumattalan nördlich von Mullaithivu. Armee und LTTE beschuldigen sich gegenseitig. Die Armee behauptet, die LTTE habe 17 Zivilisten getötet, die zu flüchten versucht hätten. Die Rebellen sprechen von 61 getöteten Zivilisten am Wochenanfang. (AP, NZZ, CP, il, TN)

    Militärisch steckt die Schlussoffensive der Armee aufgrund der schwierigen Terrainverhältnisse in den Dschungeln um Mullaithivu fest und kommt nur noch sehr langsam voran. Man muss in den nächsten Wochen mit hohen Opferzahlen unter Soldaten, Zivilisten und Rebellen rechnen. (Geoflueck

  3. Team von Abgeschoben-waf

    Aus Welt am Sonntag….
    Sri Lanka und Gaza

    Mindestens 2000 Zivilisten sind bisher bei schweren Gefechten zwischen der Armee und den Rebellen in Sri Lanka getötet worden, darunter Hunderte von Kindern. Mindestens 2000 wurden verwundet. Das melden die meisten Zeitungen als Kurzmeldung. Zum Vergleich: Fast 2000 Menschen wurden in dem mehrere Wochen dauernden Krieg Israels gegen die Hamas getötet, darunter 1300 Zivilisten, auch Kinder, aber auch 700 Hamas-Terroristen, die, bekanntermaßen, Zivilisten als Schutzschilde benutzen. Den Gefechten im Gazastreifen wurden täglich oft mehrere Seiten gewidmet. Wo bleibt der Aufschrei über die aktuellen toten Zivilisten in Sri Lanka? Kommt er etwa noch?

  4. Team von Abgeschoben-waf

    Die Leute leben in Angst”

    Demo in der City: 1.000 Tamilen fordern sofortigen Waffenstillstand auf Sri Lanka

    VON SIMON BLOMEIER

    Sorgen sich um ihre Verwandten (FOTO: SIMON BLOMEIER)

    Bielefeld. Als ihre Familie von Sri Lanka nach Deutschland geflohen ist, war Sagajeny Rajakumar sechs Jahre alt. Heute ist sie 17 und sagt: “Die Leute in meinem Heimatland leben in Angst. Wir können doch nicht einfach zugucken, wie unsere Verwandten getötet werden.” Etwa 1.000 Tamilen aus ganz Ostwestfalen-Lippe (OWL) demonstrierten am Wochenende in der Innenstadt für einen sofortigen Waffenstillstand in dem Inselstaat im Indischen Ozean.

    Die Demonstranten versammeln sich zunächst auf dem Jahnplatz. Später gehen sie geschlossen durch die Innenstadt. Viele Familien folgen dem Aufruf des Tamilischen Kultur- und Bildungsvereins und des Internationalen Begegnungszentrums (IBZ). Auf Plakaten, T-Shirts und Faltblättern bringen sie ihre Forderungen zum Ausdruck: “Humanitäre Hilfe auf Sri Lanka, Pressefreiheit durch die Präsenz internationaler Medien im Land, medizinische Versorgung im Konfliktgebiet” – denn all dies sei momentan nicht gewährleistet. “Die srilankische Regierung nennt ihre Angriffe Terroristenbekämpfung, dabei werden Bomben auf Krankenhäuser geworfen”, beschreibt Rajakumar entsetzt Berichte aus ihrer Heimat. Es ist wie in jedem Krieg – Leidtragende sind die Zivilisten. Menschen sterben, Überlebene müssen fliehen, verlieren ihr Hab und Gut.

    Maurisch Varatharajah (18) und Sarujan Kuneswaran (17) sind zwar in Bielefeld geboren, das Geschehen auf Sri Lanka bewegt sie trotzdem. Sie haben bereits Verwandte im Bürgerkrieg verloren. “Die Medien müssen den Menschen endlich vermitteln, dass die Tamilen unterdrückt werden”, fordern die beiden.

    Nach Angaben des Tamilischen Kultur- und Bildungsvereins Bielefeld wurden bereits etwa 250.000 Tamilen aus ihren Städten und Dörfern vertrieben. In den vergangenen sechs Wochen seien 2.000 Zivilisten getötet worden. “Um den Krieg zu beenden, brauchen wir Hilfe von außerhalb”, sagt der Journalist Bashana Abeywardane. Er lebt als politischer Flüchtling in Berlin. “Durch Panzer, die ins Land kommen, oder militärisches Training wird der Krieg am Leben gehalten. Wirtschaftliche Beziehungen müssen abgebrochen werden, Europa muss Druck auf die srilankische Regierung ausüben”, fordert Abeywardane – genau wie alle Tamilen, die für den Frieden demonstrierten.

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