Der Tamilen-Seelsorger Pfarrer Manoharan zur Situation in der Heimat & in der Schweiz

Keine politische Stellungnahme, aber ein Hilferuf

Von Georges Scherrer / Kipa

Zürich, 9.5.09 (Kipa) Als nachahmenswertes Beispiel für Sri Lanka bezeichnet Motham Paul Peter Manoharan die Schweiz. Der Priester betreut seit 2004 die Tamilen hierzulande. Er kümmert sich um die rund tausend katholischen Familien. Das sind gegen 5.000 Personen. Er ruft die Schweiz auf, sich für den Frieden in Sri Lanka einzusetzen.

Er muss mobil sein, damit er seine Schäfchen überall betreuen kann. An einem Sonntagmorgen in Luzern den Gottesdienst zu feiern, um danach nach Bern zu reisen und dort einer Feier vorzustehen, das ist für ihn eine Selbstverständlichkeit.

In seiner Heimat befindet sich die srilankische Armee im Norden der Insel im Schlusskampf gegen die Reste der “Liberation Tigers of Tamil Eelam” (LTTE). Diese fordern einen unabhängigen Tamilenstaat auf der Insel, auf der die Singhalesen mit 74 Prozent den grössten Bevölkerungsanteil stellen. In dem sehr kleinen Gebiet, das von den Tigers noch kontrolliert wird, sind zurzeit nach Uno-Schätzungen rund 50.000 Menschen eingekesselt. Die Zivilisten sind dem Beschuss beider Seiten ausgeliefert. Inzwischen hätten über 190.000 Menschen das Konfliktgebiet verlassen.

“Mehr tun für Sri Lanka”

Die Kämpfe in der Heimat ängstigen und verwirren die Tamilen, die in der Schweiz leben, sagt der Pfarrer der Tamilen-Mission im Gespräch mit der Presseagentur Kipa. Viele haben Verwandte und Bekannte unter den Flüchtlingen und Opfern. Mit verschiedenen Aktionen sind sie bereits an die Öffentlichkeit getreten, um die Schweiz auf das Los der Tamilen aufmerksam zu machen. Auf dem Bundesplatz in Bern wollen sie demnächst mit einer nationalen Veranstaltung auf ihre Anliegen aufmerksam machen.

Auch Pfarrer Manoharan ist überzeugt: “Die Schweizer Regierung könnte mehr tun, zum Beispiel Druck ausüben auf die Regierung in Sri Lanka.” Der Priester, der von Zürich aus sein Amt ausübt, versteht seinen Aufruf nicht als politische Stellungnahme, sondern als Hilferuf für eine von Kriegsgräueln versehrte Bevölkerung.

Vorbild Schweiz

Gewisse Medien haben in den vergangenen Tagen verbreitet, die Tamilen würden regelmässig ihr Leid mit Alkohol ertränken, und es bestehe unter ihnen ein Alkoholproblem. Das stellt Pfarrer Manoharan in Abrede. Es könne durchaus vorkommen, dass Einzelne in einem Anfall von Verzweiflung zu tief in Glas guckten. Es handle sich aber um Einzelfälle.

Der Priester, dessen Pfarrei sich von St. Gallen bis Genf erstreckt, erinnert sich noch gut an seine Ankunft in der Schweiz im Juni 2004. Ihm fiel auf, dass in der Schweiz alle Menschen gleich behandelt werden. “Wenn dies in Sri Lanka auch so wäre, hätten wir keine Probleme”, meint der Priester, der immer ruhig spricht und meist ein Lächeln im Gesicht hat. Dass seine Mitmenschen in Sri Lanka es sehr schwer haben, zeigt der Priester mit seiner Gestik nicht.

Die Gunst der Mutter Gottes erbitten

Bekannt ist, dass die Tamilen regelmässig nach Einsiedeln pilgern – “aber auch ins Kloster Mariastein im Solothurner Jura”, präzisiert Motham Paul Peter Manoharan. In Einsiedeln steht die schwarze Madonna – “nein”, sagt der Pater, “es ist nicht die Farbe der Madonna, welche die Tamilen anzieht. Sie verehren vielmehr die Mutter Gottes und auch die Hindus unter uns verehren sie und kommen nach Einsiedeln. Ich weiss nicht, warum Hindus derart von der Mutter Gottes angezogen werden? Sie erhoffen sich vermutlich von ihr eine Gunst.”

Die Tamilen gehören verschiedenen Religionen an. Unter ihnen gibt es Hindus, Christen und Muslime. Sie lebten auch in ihrer Heimat friedlich zusammen, versichert der Priester. Die nächste Wallfahrt nach Einsiedeln steht am 21. Juni an.

“Nicht immer ganz einfach”

Die Tamilen arbeiten in der Schweiz hart, sagt der Pfarrer. Sie müssten einerseits “für ihre Familie hier und oft auch für Verwandte dort” aufkommen. Aufgrund ihrer Arbeitsverhältnisse und Arbeitsrhythmen sei es für sie nicht immer ganz einfach, “pünktlich zum Gottesdienst zu erscheinen”, so der Pfarrer diplomatisch. Sie müssten manchmal ihre Pausen so einteilen – viele arbeiten in Gastwirtschaft und Tourismusbetrieben –, dass sie den Gottesdienst oder wenigstens einen Teil von diesem besuchen können.

Die Tamilen beschäftige es sehr stark, was in ihrer Heimat geschehe. Viele Tamilen der ersten Generation träumen davon, einmal zurückkehren zu können. Doch der Pfarrer zweifelt daran, dass die Kinder ihren Eltern folgen werden – “und darum werden diese wohl auch da bleiben”.

Sprachbarrieren

In der Schweiz leben schätzungsweise 35.000 Tamilen, zehn Prozent sind eingebürgert. Viele würden untereinander heiraten. Aber Pfarrer Manoharan kennt auch gemischte Paare. Das die Tamilen zum Teil unter sich bleiben, habe auch mit der Sprache zu tun. Diese Barriere würde aber mit dem Schulunterricht abgebaut.

Engpässe im Budget unter den Tamilen will der Pfarrer nicht verallgemeinern. Es gebe schon Fälle, die unten durch müssten. Es sei zum Teil schwierig, einen Job zu finden, aber auch in dem Fall wirke sich der Mangel an Sprachkenntnissen negativ aus. Die Männer hätten gegenüber den Frauen einen Vorteil, weil viele von ihnen bereits seit über 15 Jahren hier lebten und die Sprache gelernt hätten.

An einen Tisch

Im September kehrt Pfarrer Motham Paul Peter Manoharan in seine Heimat zurück und wird eine Pfarrei in der befriedeten Zone Sri Lankas übernehmen. Sein Nachfolger für die Betreuung der Tamilen-Gemeinschaft in der Schweiz wird bereits ausgebildet. Der Priester hofft, dass in seiner Heimat einst Frieden einkehren wird.

Dazu sei es aber nötig, dass die verschiedenen militanten Gruppen, die in Sri Lanka für die verschiedenen “Identitäten” stehen, sich an einen Tisch setzen. Dazu hätten auch die Bischöfe aufgerufen. Der Bevölkerung müssten ihre Rechte wieder zurückgegeben werden. “Wir beten für den Frieden in diesem wunderschönen Land.”

Separat:

Petition an den Bundesrat

In einer Petition an die Schweizer Regierung rufen die Tamilen in der Schweiz zu einem Ende des “Genozids” in Sri Lanka auf. Sie fordern den Bundesrat auf, sich für einen Waffenstillstand einzusetzen. Den Nichtregierungsorganisationen müsse der Zutritt zu allen Gebieten wieder gewährt werden. Sri Lankas Regierung sei für die Verletzung der Menschenrechte zur Verantwortung zu ziehen.

Seit 25 Jahren befinden sich die Tamilen in Sri Lanka in Kampf gegen die Regierung, heisst es im Text des Tamilen Forums Schweiz. Seit drei Jahren habe dieser Krieg eine neue Wende genommen. Die Regierungsarmee töte tamilische Zivilisten. Mit Ausnahme des Roten Kreuzes habe die Regierung alle Nichtregierungsorganisationen der tamilischen Gebiete verwiesen. Journalisten dürften die Kriegszone nicht betreten. Die Regierungsarmee würde jeden Tag mehr als fünfzig Personen töten, darunter Kinder, Frauen und alte Menschen. Spitäler, Schulen und Altersheime würden bombardiert und angegriffen. In den vergangenen drei Monaten seien über 2.400 Zivilisten getötet worden.

200.000 Personen seien in der Gegend von Vanni eingekesselt. Es fehle an Medikamenten und Nahrungsmitteln. Viele Menschen seien wegen der Unterversorgung gestorben. Was in Sri Lanka geschehe, könne mit den Ereignissen in Gaza verglichen werden, so der Petitionstext.

Weitere Infos unter: www.tamilpress.com

4 Reaktionen zu “Der Tamilen-Seelsorger Pfarrer Manoharan zur Situation in der Heimat & in der Schweiz”

  1. Team von Abgeschoben-waf

    Infos von http://www.geoflueck.ch:

    Mittwoch, 13. Mai 2009, 11.25 h Langsames Vorrücken der Armee – weitere zivile Opfer

    Inland: Die srilankische Armee soll nach eigenen Angaben weiter in den von der LTTE gehaltenen Küstenstreifen vorgerückt sein. Die Zehntausenden von Zivilisten halten sich vorwiegend in Bunkern auf. Sie leiden an Hunger und fehlender Notversorgung. Die LTTE leistet heftigen Widerstand gegen die zahlen- und waffenmässig weit überlegenen Armee-Einheiten. Die Opferzahl bei den Angriffen vom Wochenende scheint sich auf rund 1′000 Personen zu belaufen. 430 wurden vom Arzt V. Shanmugarajah, der im einzigen noch funktionierenden Spital arbeitet, bestätigt. Aber es würden noch viele Tote herumliegen und der Arzt schätzt die Zahl der Getöteten des Wochenendes auf rund 1′000. Die UNO verurteilte die Angriffe, bei denen auch mindestens 100 Kinder starben. Die Armee dementiert den Einsatz schwerer Waffen und schiebt die Schuld auf die LTTE. (LP, TN, NZZ, Basler Zeitung) Am Dienstag folgte ein erneuter Angriff auf das Spital im Rebellengebiet. Bei diesem soll es 49 Tote gegeben haben. (DRS, BaZ) In der Basler Zeitung äussert sich der Sri Lanka-Experte Christian Wagner (Forschungsgruppe Asien, Berlin, Stiftung Wissenschaft und Politik) skeptisch bezüglich einer friedlichen Zukunft. Ohne politische Lösung werde „der Konflikt in den nächsten Jahren vor sich hinköcheln. … Langfristig kann es wieder einen bewaffneten Widerstand geben.“ Er kritisierte sowohl die Armee für rücksichtlose Angriffe als auch die LTTE, die Zivilisten als Schutzschilde missbrauchten. Zudem sagte er zu den Internierungslagern: „Für die Regierung ist jeder Tamile, derälter als 10 Jahre ist, egal ob Mann oder Frau, ein potenzieller Kämpfer der LTTE. Sie fürchtet, dass Kämpfer im Schutz der Zivilbevölkerung fliehen und neue Attentate begehen. „ (Basler Zeitung vom Mittwoch, 13. Mai 2009, S.7) In der gleichen Zeitung warnt der Sri Lanka Experte der Schweizerischen Flüchtlingshilfe, Rainer Mattern vor den Zuständen in den Internierungslagern für Flüchtlinge in Sri Lanka: „Es wird dort nach LTTE-Kadern gesucht. Dabei gibt es keinerlei Kontrolle durch Menschenrechtsorganisationen. Da ist alles möglich, auch Folter und Verschwindenlassen“ Deshalb warnt die SFH vor einer Rückschiebung von Tamilen nach Sri Lanka. (BaZ, 13.5.09, s.7)

    Ausland: Indiens Botschaft in der Schweiz, in Bern, sollte am Sonntag von 200 Tamilen gestürmt werden – als Protest gegen die angebliche stillschweigende Unterstützung der srilankischen Regierung durch die indische Regierung. Es kam zu Scharmützeln mit der Polizei, und der Sicherheitschef der Stadt Bern, Reto Nause, rief die Tamilen zur Mässigung auf. Die Polizei musste Tränengas und Gummischrot einsetzen und konnte die indische Botschaft schützen. (Radio DRS, NZZ)

  2. Team von Abgeschoben-waf

    Freitag, 15. Mai 2009, 13.55 h, 15.05 h IKRK spricht von unvorstellbaren Zuständen für die eingekesselten Zivilisten

    Inland: Das IKRK (Internationales Komitee des Roten Kreuzes) malt in drastischen Worten ein düsteres Bild der Lage der Zivilisten im von der Armee eingekesselten Gebiet in einem Küstenstreifen nördlich von Mullaithivu. Die Zivilisten würden mit blossen Händen in den Sand graben, um sich vor Kriegsverletzungen zu schützen. Andere würden nicht einmal auf der Suche nach dem knapp gewordenen Wasser die schützenden Bunker verlassen. Seit Tagen würde heftig gekämpft. Das IKRK fordert mit Nachdruck eine zumindest vorübergehende Waffenruhe, damit die eingeschlossenen Zivilisten versorgt und die Hunderten von Verletzten evakuiert werden können. Die srilankische Regierung kündigt an, in den nächsten 48 Stunden sei auch das letzte verbliebene Rebellengebiet erobert. Dies sagte auch Präsident Rajapakse, der momentan in Jordanien weilt. Er spricht von „einer Rettung der Tamilen vom LTTE-Terror“. Über 1′500 Zivilisten hätten in den letzten 24 Stunden fliehen können, durch eine Lagune. Zur Zeit kämpfen die 58., 53. und 59. Division der srilankischen Armee in einer Grossoffensive gegen die LTTE. (DRS, SF1, CP, il) Deren Führer Prabhakaran habe angeordnet, Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände zu zerstören, damit sie nicht in die Hände der Armee fallen. (Daily News) Die tamilische Seite sprach schon am Donnerstag von 1′700 toten Zivilisten innerhalb von 2 Tagen. (TN) Das einzige noch übrig gebliebene Spital im Rebellengebiet soll nun von IKRK-Mitarbeitern betrieben werden – in der Hoffnung, dass kein Beschuss mehr stattfindet. (TN)

    Kommentar: Das Gemetzel geht weiter, aber die Weltöffentlichkeit schweigt nun immer weniger. Sri Lanka beschädigt mit seinem Vorgehen sein Image auf längere Frist hinaus. Hilflos müssen wir Beobachter der Lage zusehen, wie täglich unschuldige Zivilisten ihr Leben oder ihre Gesundheit verlieren. Es ist nicht auszuschliessen, dass die Zahl der getöteten Zivilisten noch in diesem Monat 10′000 erreicht. Das wäre vergleichbar mit Sebrenica. Dass der Buddhismus, diese wunderbare Religion der Gewaltlosigkeit, derart missbraucht werden kann, erschüttert. Die Religion wäre gut, aber wie auch im Falle von Ex-Jugoslawien oder Nordirland – es sind die Menschen, welche die Ideale ihrer eigenen Religion verraten. Was könnte getan werden? Nun, da der Krieg soweit gekommen ist, muss ich meinen ursprünglichen Vorschlag modifizieren.

    Ich schlage vor, dass die „safe zone“ in eine UNO-Sicherheitszone umgewandelt wird. Die Rebellen müssten unter internationalem Schutz ihre Waffen abgeben, die LTTE-Führungsriege ins Exil. Das ist die einzige Lösung, bei der die Rebellen auch noch ihr Gesicht wahren könnten. Sonst wird gekämpft werden bis zum bitteren Ende.

    Einen bewaffneten Zwischenfall gab es gestern, am 14. Mai, in Kalkuda, Valaichchenai (Batticaloa Distrikt). Dort wurde das lokale TMVP-Büro angegriffen und ein TMVP-Mann getötet. Die Polizei spricht von einem internen Konflikt in der TMVP. (CP) Bei einer Hausdurchsuchung in Wellawatte, Colombo, beging gestern Donnerstag ein LTTE-Verdächtigter Selbstmord. In seiner Luxus-Wohnung wurden angeblich 4 Suizid-Jacken gefunden. Dies zeigt, dass die Gefahr von Anschlägen in der srilankischen Metropole bei Weitem noch nicht gebannt ist. (CP, geoflueck) In Vavuniya soll in einem Wohlfahrtszentrum für Tamilen der Hauptverdächtige für den Anschlag von 2006 gegen Gotabhaya Rajapakse vor einigen Tagen verhaftet worden sein, meldet die srilankische Polizei. (MOD)
    Die oppositionelle UNP will Zugang zu den Lagern für tamilische Vertriebene im Raum Vavuniya, um sich ein Bild der Lage machen zu können. Vor einigen Tagen waren vier Journalisten des britischen Channel 4 aus Sri Lanka ausgewiesen worden, nachdem sie von Folter, Nahrungsmittelkürzungen und sexuellem Missbrauch in diesen Lagern berichtet hatten. (CP, geoflueck)

    In dem Distrikt Moneragala sind seit April bereits 214 Personen schwer an Dengue erkrankt. Zentrum der Epidemie ist Tangalle. (CP)

    Ausland: Der UNO Sicherheitsrat hat den Krieg der srilankischen Regierung gegen die LTTE als legitimen Krieg gegen Terroristen bezeichnet. Insbesondere Russland und China vertreten diese Haltung. Nun aber hat sich die Aussenministerin der USA, Hillary Clinton, klar gegen die srilankische Regierung gewendet. Sie kündigt an, dass die USA einen 1.9 Milliarden $ Kredit des IWF an Sri Lanka blockieren würde. Sie verlangt eine Versorgung der eingeschlossenen Zivilisten und eine Waffenruhe. Der US-Diplomat Richard Boucher sagte zudem, dass zwischen Indien und den USA ein enger informeller Austausch stattfinde. Am Dienstag hatten sich Vertreter der sogenannten Geberstaaten der EU, USA, Japan und Norwegen zu einer informellen Sitzung getroffen. Auch Grossbritannien ist gegen einen IWF-Kredit an Sri Lanka zum jetzigen Zeitpunkt. (CP, DRS, LP, TN) Der UNO-Generalsekretär hat seinen Stabs-Chef nach Colombo entsandt, um eine Lösung zu finden. (DRS) Die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti News meldet, dass das Verteidigungsministerium von Sri Lanka unter Gotabhaya Rajapakse eine Anzahl russischer Armee-Helikopter und weiteres Kriegsmaterial bestellt hat. (il, LP)

    Wirtschaft: In Colombo lag die Börse am Donnerstag, 14.5. auf 1′884.42 Punkten (5.5.: 1′868 Punkte) . Der Sensex in Bombay lag am heute Freitag auf 12′173,4 Punkten (5.5… 12′131.08 Punkte ) und der Nikkei auf 9′265 Punkten. (BBC, geoflueck) Der Euro wird gegenüber dem 5.5. fast unverändert zu 159.82 Rupien, der Dollar schwächer zu 117.6 Rupien ( 5.5. 119.94 Rupien) und der Schweizer Franken leicht stärker zu 106.13 Rupien (5.5. 105.74 Rupien) gehandelt. (oanda.com)

    Donnerstag, 14. Mai 2009, 12.10 h UNO fordert LTTE auf, die Waffen niederzulegen

    Ausland: Der UNO-Sicherheitsrat rief die Tamilenrebellen der LTTE zur Aufgabe des bewaffneten Kampfes und zur Entlassung der Zivilisten aus dem Kriegsgebiet auf. Die srilankische Regierung solle die Evakuation und Versorgung der Zivilisten sicherstellen. (DRS) Schon zuvor hatten die Aussenminister der USA und Grossbritanniens eine politische Lösung des Konflikts und mehr Rechte für die tamilische Minderheit in Sri Lanka gefordert. (NZZ) Fie Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft der Armee Artillerieangriffe auf Spitäler vor. Gestern sei, was von den Gesundheitsbehörden der Region bestätigt wurde, ein Krankenhaus im Rebellengebiet zum zweiten Mal nach dem Dienstag beschossen worden von Artillerie. Dabei verweist die Menschenrechtsorganisation auf kürzlich gemachte hochauflösende Satellitenbilder, welche grosse Bombentrichter zeigten. Am Mittwoch seien beim Spital nördlich von Mullaithivu mindestens 50 Zivilisten getötet worden. (BaZ, NZZ)

    Mittwoch, 13. Mai 2009, 11.25 h Langsames Vorrücken der Armee – weitere zivile Opfer

    Inland: Die srilankische Armee soll nach eigenen Angaben weiter in den von der LTTE gehaltenen Küstenstreifen vorgerückt sein. Die Zehntausenden von Zivilisten halten sich vorwiegend in Bunkern auf. Sie leiden an Hunger und fehlender Notversorgung. Die LTTE leistet heftigen Widerstand gegen die zahlen- und waffenmässig weit überlegenen Armee-Einheiten. Die Opferzahl bei den Angriffen vom Wochenende scheint sich auf rund 1′000 Personen zu belaufen. 430 wurden vom Arzt V. Shanmugarajah, der im einzigen noch funktionierenden Spital arbeitet, bestätigt. Aber es würden noch viele Tote herumliegen und der Arzt schätzt die Zahl der Getöteten des Wochenendes auf rund 1′000. Die UNO verurteilte die Angriffe, bei denen auch mindestens 100 Kinder starben. Die Armee dementiert den Einsatz schwerer Waffen und schiebt die Schuld auf die LTTE. (LP, TN, NZZ, Basler Zeitung) Am Dienstag folgte ein erneuter Angriff auf das Spital im Rebellengebiet. Bei diesem soll es 49 Tote gegeben haben. (DRS, BaZ) In der Basler Zeitung äussert sich der Sri Lanka-Experte Christian Wagner (Forschungsgruppe Asien, Berlin, Stiftung Wissenschaft und Politik) skeptisch bezüglich einer friedlichen Zukunft. Ohne politische Lösung werde „der Konflikt in den nächsten Jahren vor sich hinköcheln. … Langfristig kann es wieder einen bewaffneten Widerstand geben.“ Er kritisierte sowohl die Armee für rücksichtlose Angriffe als auch die LTTE, die Zivilisten als Schutzschilde missbrauchten. Zudem sagte er zu den Internierungslagern: „Für die Regierung ist jeder Tamile, derälter als 10 Jahre ist, egal ob Mann oder Frau, ein potenzieller Kämpfer der LTTE. Sie fürchtet, dass Kämpfer im Schutz der Zivilbevölkerung fliehen und neue Attentate begehen. „ (Basler Zeitung vom Mittwoch, 13. Mai 2009, S.7) In der gleichen Zeitung warnt der Sri Lanka Experte der Schweizerischen Flüchtlingshilfe, Rainer Mattern vor den Zuständen in den Internierungslagern für Flüchtlinge in Sri Lanka: „Es wird dort nach LTTE-Kadern gesucht. Dabei gibt es keinerlei Kontrolle durch Menschenrechtsorganisationen. Da ist alles möglich, auch Folter und Verschwindenlassen“ Deshalb warnt die SFH vor einer Rückschiebung von Tamilen nach Sri Lanka. (BaZ, 13.5.09, s.7)

    Ausland: Indiens Botschaft in der Schweiz, in Bern, sollte am Sonntag von 200 Tamilen gestürmt werden – als Protest gegen die angebliche stillschweigende Unterstützung der srilankischen Regierung durch die indische Regierung. Es kam zu Scharmützeln mit der Polizei, und der Sicherheitschef der Stadt Bern, Reto Nause, rief die Tamilen zur Mässigung auf. Die Polizei musste Tränengas und Gummischrot einsetzen und konnte die indische Botschaft schützen. (Radio DRS, NZZ)

  3. Team von Abgeschoben-waf

    Montag, 18. Mai 2009, 19.00 h Armee sagt: Prabhakaran tot – tamilische Webseiten dementieren

    Inland: Entgegen den Angaben, dass am Samstag die Kämpfe zu Ende gegangen sind, wurde auch am Sonntag noch stellenweise heftig gekämpft. Heute gab es – vielleicht vorläufig letzte – Scharmützel in der Region Mullaithivu. Die Armee behauptet, mit einer Granate eine Ambulanz getroffen zu haben, in der LTTE-Chef Prabhakaran zu fliehen versucht habe. Der LTTE-Chef sei dabei getötet worden. Auch sein Sohn Charles Anthony sowie weitere hochrangige LTTE-Führer seien tot. (LP, Radio DRS, SF1) Die tamilischen Webseiten dementieren unisono. Bestätigt wurde der Tod des LTTE-Kommandanten Sornam. Zudem spricht die LTTE am Sonntag von 25′000 Verletzten und 3′000 Toten unter der Zivilbevölkerung in den letzten Tagen. (TN)

    Kommentar 1: Die Meldung, Prabhakaran sei tot, kann auch ein Propagandatrick sein, um allenfalls den LTTE-Chef zu einem Dementi zu provozieren, das vielleicht den wahren Aufenthaltsort verrät. Es kann aber auch möglich sein, dass Prabhakaran wirklich tot ist. Noch fehlen eindeutige Beweise – die allerdings auch fabriziert werden könnten. Jetzt gilt es aber, internationale finanzielle Hilfe an Sri Lanka von der Respektierung der Menschenrechte und dem Zugang zu allen Internierten abhängig zu machen. Es darf keine tamilische Frau mehr vergewaltigt oder junge Tamilen erschossen und nachträglich behauptet werden , sie hätten zu fliehen versucht, um so die Morde zu decken. Kriegsverbrechen beider Seiten müssen untersucht werden. Jedes Menschenleben hat einen unschätzbaren Wert, man ist eine international abgestützte Untersuchung diesen Toten einfach schuldig. Präsident Rajapakse hat jetzt die Chance, die Rechte der tamilischen Minderheit zu stärken, einen unverzüglichen Wiederaufbau (mit internationaler Hilfe, die von der UNO überwacht wird) in Angriff zu nehmen und so schnell als möglich Normalität einkehren zu lassen. Tut er das nicht und offeriert er nicht eine grosszügige politische Lösung, so ist es nur eine Frage der Zeit, bis erneut ein bewaffneter Konflikt ausbricht. Zudem gebe ich noch keine Entwarnung für Reisende – es bleibt abzuwarten, ob nun verbleibende Reste der LTTE nicht wieder zur Terrorwaffe greifen – teils auch aus Frustration. Je mehr Tamilen jetzt gedemütigt werden, desto grösser ist diese Gefahr – und zwar weltweit.

    Kommentar 2: Die LTTE hat meiner Meinung nach mehrere grobe strategische Fehler gemacht – so sehr sie als straff organisierte Guerillatruppe militärisch auch lange Zeit erfolgreich war. Die srilankische Regierung hat ihren Sieg nur dank der Hilfe von Pakistan, Indien und China und dank der militärischen Geheiminformationen der Karuna-Fraktion errungen. Es gab kein Land, das die LTTE militärisch unterstützt hätte – was auch an deren Doppelstrategie von Terror und bewaffnetem Rebellenkampf gelegen hat. Zudem war die internationale Gemeinschaft lange Zeit nicht neutral und hat die politische Linie innerhalb der LTTE zu wenig gefördert. Ich möchte nochmals die meiner Meinung nach entscheidenden Punkte auflisten, die zur Niederlage der LTTE geführt haben:

    Kommentar vom 30. Januar 2009 zur Frage, warum die LTTE mit dem Rücken zur Wand steht (geoflueck/srilanka)

    Faktor Indien
    Indien war das einzige grosse Land, das eine Zeit lang (vor 1987) die LTTE unterstützt hatte. LTTE-Kader konnten in Indien trainieren. Die indischen Sicherheitskräfte haben die rund 1′155 Opfer unter ihrer Friedenstruppen zwischen 29. Juli1987 und Ende1989 so wenig vergessen, wie viele Tamilen den zunehmenden Kleinkrieg zwischen der Indian Peace Keeping Forces und der LTTE, unter dem auch die Zivilbevölkerung zunehmend litt. Der damalige srilankische Präsident Premadasa (im Mai 1993 bei einem Anschlag, der der LTTE zugeschrieben wird, getötet) hatte die LTTE heimlich mit Waffen im Kampf gegen die Inder unterstützt. Noch heute gibt es unter dem nationalistischen Flügel in Politik und unter den Mönchen massive Vorbehalte gegen Indien. Mit der Ermordung von Rajiv Gandhi vom 21. Mai 1991 beging die LTTE einen grossen strategischen Fehler, so verständlich der Zorn einiger Tamilen über die indische Politik mit einer klaren Distanzierung von der LTTE in jener Zeit auch sein mag. Hier liegt die Wurzel des Bruches von Indien mit der LTTE – bei aller Unterstützung in der Bevölkerung im indischen Bundesstaat Tamil Nadu für die LTTE. Die LTTE hat immer wieder gehofft, die Indienkarte spielen zu können. Aber innerhalb der indischen Elite war die LTTE nicht mehr eine akzeptable Freiheitsbewegung, sondern hatte stets auch den Terrorismusaspekt. Sowohl bei der Flugüberwachung als auch auf dem Meer war Indien für die srilankische Regierung mehr Partner als Gegner.

    Faktor Internationale Isolation
    Es gab eine Zeit, da war der politische Flügel der LTTE stark und stiess auch internationale auf Beachtung. Namen wie Balasingham und Thamilchelvan standen dafür. Der eine starb an seiner Krankheit und der andere wurde bei einem gezielten Luftangriff von der srilankischen Luftwaffe eliminiert. Nach dem September 2001 konnte die srilankische Regierung geschickt die Terrorismuskarte ausspielen. Die LTTE, auch wenn sie eine Beteiligung stets dementierte, tötete bei Anschlägen auch viele Zivilisten – etwas, was auch neutrale Beobachter wie ich bei allem Verständnis für die Motive der LTTE nicht gutheissen können – was es der srilankischen Regierung leicht machte, die LTTE in die Terrorismusecke zu stellen. Es gibt kein grosses Land, das die LTTE unterstützt – allenfalls gibt es in Ländern wie Südafrika, Eritrea, Norwegen oder Malaysia Verständnis für einen bewaffneten Freiheitskampf gegen srilankische Sicherheitskräfte. Das heisst aber nicht eine uneingeschränkte Unterstützung der LTTE oder grosse Waffenlieferungen. Der LTTE ist es in den letzten Jahren nicht mehr gelungen, auf dem internationalen Parkett diplomatisch entscheidend zu punkten. Dies trotz massivster Menschenrechtsverletzungen und militärischen Angriffen ohne Rücksicht auf Zivilisten durchsrilankische Sicherheitskräfte. Die LTTE ist in vielen Ländern, zum Teil aufgrund des Druckes durch Sri Lanka, als Terrororganisation verboten.

    Faktor Karuna
    Die Abspaltung von Karuna im Frühjahr 2004 hat die LTTE entscheidend geschwächt. Nicht nur verlor sie fast einen Drittel ihrer Kampfkraft – auch wusste der brutale, aber geniale Feldherr Karuna genau Bescheid über die Strategie der LTTE, die Standorte der geheimen Bunkeranlagen und das Personal. Mit seinem Wissen ermöglichte er der Armee die Eroberung der LTTE-Gebiete im Osten von Sri Lanka und zielgenaue Angriff auf das Rebellen-Kernland. Zudem wusste er genau Bescheid, wie die LTTE ihre Waffen besorgte und hatte bestimmt bei der Vernichtung der Hochseeflotte der LTTE Anteil. Damit versiegte die Zufuhr von neuen Waffen und Munition. Karuna war der beste Feldherr der LTTE – ihm verdankte die LTTE einen grossen Teil ihrer militärischen Schlagkraft.

    Faktor Ranil Wickremesinghe
    Den meiner Ansicht nach grössten Fehler machte die LTTE, als sie 2005 den Präsidentschaftskandidaten Ranil Wickremesinghe von der UNP nicht unterstützte. Ich war damals wie heute überzeugt, dass mit ihm eine politische Lösung denkbar gewesen wäre. Er genoss eine breite internationale Unterstützung und war bereit, der LTTE weit entgegenzukommen. Aber die LTTE setzte mit der stillschweigenden Unterstützung des Hardliners Mahinda Rajapakse einen anderen Akzent. Sie unterschätzte dessen Willen, den Konflikt militärisch zu entscheiden und überschätzte ihre Kampfkraft.

    Faktor aufgerüstete, motivierte und reorganisierte Armee, unterstützt vom Ausland
    Die srilankische Armee von 2008 lässt sich mit jener von 2001 nicht vergleichen. Als neutraler Beobachter muss man anerkennen, dass sie strategisch viel dazu gelernt hat, und dies nicht nur wegen Karuna. Mit der Brandmarkung des Gegners als Terroristen konnte sie international punkten. Mit jedem Sieg in einer Schlacht, mit jedem Stück Land, das erobert wurde, wuchs das Selbstvertrauen der Soldaten. Der Gegner war für diese Soldaten der Böse, der auch singhalesische Zivilisten nicht verschonte und den es zu besiegen galt. Dazu gab und gibt es in der singhalesischen Volksgruppe einen grösseren Anteil welche die eigene Kultur und insbesondere die buddhistische Religion als überlegen und einzige srilankische Leitkultur ansieht. Länder wie Pakistan und China unterstützten die srilankische Armee massiv, Indien im Verborgenen. Luftaufklärung und Luftschläge spielten beim Siegeszug der Armee eine sehr wichtige Rolle und internationale Hilfe war dabei mit entscheidend.. Die Feuerkraft der Artillerie vervielfachte sich. LTTE-Stellungen wurden im wahrsten Sinne des Wortes sturmreif geschossen. Der LTTE fehlte und fehlt es an militärischen Führern wie Karuna. Auch ich habe ihre Stärke falsch eingeschätzt, erwartete stets die grosse Gegenoffensive. Stattdessen folgte Territoriumsverlust auf Territoriumsverlust, wie Dominosteine fielen die LTTE-Hochburgen. Als nächstes wird die Armee die letzten Küstengebiete unter ihre Kontrolle bringen und damit den letzten Zugang zum Meer blockieren – eine Frage von Wochen.

    Fazit
    Nachdem nun auch Kronjuwelen der LTTE wie U-Boote, ein 152 mm Artilleriegeschütz oder Waffenfabriken in die Hände der Armee gefallen sind, muss auch der letzte Analyst feststellen, dass es mit einer konventionellen Kriegsführung für die LTTE auf längere Zeit hinaus vorbei ist. Aber der Guerillakampf ist noch nicht vorbei, und wird auch nach dem Tod der jetzigen LTTE-Führung weitergehen, solange es keine gerechte politische Lösung gibt. Rajapakse kann dann in die Geschichte eingehen, wenn ihm eine solche Lösung nach einem möglichen militärischen Sieg auf dem Gelände gelingt. Sonst wird der Terror in Sri Lanka weitergehen. Die vielen toten Zivilisten schaffen zusätzlich böses Blut unter der tamilischen Bevölkerung.

  4. Adam Money

    An sich ne gute Sache, ich frag mich nur, ob das auch dauerhaft brauchbar bleibt.

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