Sri Lankas Premierminister verkündet Tod von Rebellenchef

Jubel über Ende der Kämpfe

Die Menschen in den Straßen der sri-lankischen Hauptstadt Colombo feiern die Nachricht vom angeblichen Tod des tamilischen Rebellenführers Prabakharan. Nach Regierungsangaben wurde er gemeinsam mit der kompletten LTTE-Führung getötet. Unabhängige Berichte gibt es nicht.

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu Delhi

Die Stimme des sri-lankischen Premierministers überschlägt sich fast, als er den Tod des Rebellenführers bestätigt. Auch auf der Straße bejubeln die Massen den Tod von Villuppillai Prabakharan. Schon am Wochenende, als Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse den militärischen Sieg über die LTTE erklärt hatte, tanzten die Menschen in Sri Lankas Hauptstadt Colombo auf der Straße und verteilten Schälchen mit süßem Reis an Soldaten. Eine junge Frau jubelt: “Ich bin überglücklich. Wir haben so lange darauf gewartet. Ich lebe seit meiner Geburt mit diesem Krieg. Und ich wollte nicht damit sterben.” Ein älterer Taxifahrer hat seinen Wagen mit der Nationalflagge geschmückt. “Die ganze Welt hat immer gesagt, dass man den Terrorismus nicht besiegen kann. Wir haben das auch alle gedacht.” Er sei seinem Präsidenten und der Armee sehr dankbar. “Jetzt können wir und die nächsten Generationen glücklich und in Frieden leben. Der Krieg ist vorbei.” Komplette LTTE-Führung getötet?

Das Ende auf dem Schlachtfeld im Dschungel sei nur noch eine Frage von Stunden, hatte der Sprecher der Regierungstruppen schon am Sonntagabend angekündigt. Die Befreiungstiger von Tamil Eelam, kurz LTTE, müssten sich entweder ergeben oder Selbstmord begehen. Die Armee hatte Rebellenchef Prabakharan nach eigenen Angaben in einem kleinen Dschungelgebiet im Nordosten Sri Lankas umzingelt, zusammen mit rund 200 anderen LTTE-Kämpfern. Bei den Gefechten soll er dann von den Regierungstruppen erschossen worden sein. Mit ihm ist nach Armee-Angaben die komplette Führung der LTTE getötet worden, darunter auch sein Sohn.

Der den Rebellen nahestehende Internetdienst TamilNet spricht von einem Massaker der Regierungstruppen. Der 55-jährige Prabakharan zeigte sich nur selten in der Öffentlichkeit, es gibt nur wenige Aufnahmen im Archiv. Er hatte die Befreiungstiger von Tamil Eelam 1976 aus einer Jugend-Organisation heraus gegründet. Anfang der 1980-er Jahre griffen die Tiger dann zu den Waffen, um einen eigenen Staat für die unterdrückte tamilische Minderheit im Norden und Osten Sri-Lankas zu erzwingen.

Prabakharan baute die LTTE systematisch zu einer gefürchteten Guerilla-Truppe aus, die sogar eine eigene Marine und eine eigene kleine Luftwaffe hatte. Zwischenzeitlich sollen ihm bis zu 15.000 Kämpfer unterstanden haben, die es über Jahre schafften, weite Teile des Landes zu kontrollierten. Der dreifache Familienvater duldete keinen Widerspruch in den eigenen Reihen. Er ließ politische Gegner ermorden und setzte Selbstmordattentäter als Waffe ein. Die Europäische Union erklärte die LTTE deswegen 2006 zur Terrororganisation. Mit großer Genugtuung hatte Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse  am Samstag nach 26 Jahren Bürgerkrieg den militärischen Sieg über die Befreiungstiger von Tamil Eelam erklärt. Aber ein politisches Konzept, wie er den seit der Unabhängigkeit 1948 schwelende Konflikt zwischen der singhalesischen Mehrheit und der tamilischen Minderheit lösen will, hat Rajapakse noch nicht vorgelegt. Und während die Bevölkerungsmehrheit den Tod Prabakharans als Sieg feiert, leiden rund 250.000 tamilische Zivilisten in erbärmlichen staatlichen Flüchtlingslagern, die mit Stacheldraht eingezäunt und de facto Internierungslager sind.

http://www.tagesschau.de/srilanka342.html

Eine Reaktion zu “Sri Lankas Premierminister verkündet Tod von Rebellenchef”

  1. Team von Abgeschoben-waf

    von:http://www.nzz.ch/nachrichten/international/aus_falken_werden_in_sri_lanka_keine_friedenstauben_1.2604445.html

    Die Führung in Colombo zeigt wenig Wille zur nationalen Versöhnung
    Die sri-lankische Regierung hat im Kampf gegen die tamilischen Rebellen die Menschenrechte mit Füssen getreten. Wer gehofft hatte, die singhalesischen Hardliner um Präsident Rajapakse würden sich nach Kriegsende in Friedenstauben verwandeln, hat sich getäuscht.

    spl. Delhi, 21. Mai

    Der Sieg über die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) bedeutet einen grossen Triumph für Präsident Mahinda Rajapakse. Als dieser Ende 2005 die Macht in Colombo übernahm, kontrollierten die tamilischen Rebellen einen Drittel des Landes, und kaum jemand glaubte, dass sie militärisch besiegt werden könnten. Rajapakse hat das Gegenteil bewiesen. In dreieinhalb Jahren gelang es ihm, eine der gefährlichsten Separatistengruppen der Welt auszulöschen. Eine wichtige Rolle spielten dabei zwei seiner Brüder, Gotabaya und Basil Rajapakse. Ersterer war als Verteidigungsminister für die militärische Strategie verantwortlich, Letzterer als Präsidentenberater dafür, wie der Krieg politisch verkauft wurde.

    Alles dem Krieg untergeordnet
    Der Plan der Rajapakse-Brüder war simpel: ganz auf Krieg zu setzen, koste es, was es wolle. Das Militärbudget wurde erhöht und die Zahl der Soldaten auf knapp 200 000 fast verdoppelt. Danach wurde der Waffenstillstand gekündigt und eine Grossoffensive im Norden gestartet. Dem Ziel, die LTTE zu besiegen, wurde alles andere untergeordnet, auch die Beachtung von Menschen- und Bürgerrechten. «Wer gegen ein Monster wie die LTTE kämpft, kann sich nicht an Regeln halten», rechtfertigte Gotabaya Rajapakse diese Taktik. Demokratische Institutionen, die den Brüdern bei ihrem Anti-Terror-Feldzug hätten in die Quere kommen können, wurden ausgehebelt. Der Norden wurde weitgehend von der Öffentlichkeit abgeschottet, weder Journalisten noch Hilfsorganisationen hatten Zugang zum umkämpften Gebiet. Journalisten, Menschenrechtsaktivisten und lokale Helfer, die es dennoch wagten, das Vorgehen der Streitkräfte gegen Zivilisten zu kritisieren, wurden als LTTE-Sympathisanten verunglimpft und riskierten ihr Leben.

    «Der Krieg war bei der Mehrheit der Singhalesen populär, und Rajapakse nutzte dies dazu, im Süden ein autoritäres Regime zu errichten», erklärt ein früherer Weggefährte des Präsidenten, der aus Protest über dessen undemokratische Manöver von seinem Ministeramt zurückgetreten war. Der Kampf gegen den gefürchteten LTTE-Chef Prabhakaran habe Rajapakse selbst zu einem Diktator werden lassen. Einige Regimekritiker wurden verhaftet, andere verschwanden auf mysteriöse Weise, und nicht wenige wurden von Killerkommandos erschossen. Ausländische Diplomaten, die Bedenken wegen der Menschenrechtslage in Sri Lanka äusserten, wurden von den Rajapakse-Brüder zurechtgestutzt. Der Kampf gegen die LTTE sei eine interne Angelegenheit und gehe Aussenstehende nichts an. Die internationalen Medien wurden ausgesperrt. Seit Monaten bekommen ausländische Journalisten kaum mehr Visa für Sri Lanka.

    Schöne Worte und harte Realitäten
    Wer gehofft hatte, der singhalesisch-chauvinistische Feldzug gegen Regierungskritiker würde nach Kriegsende nachlassen, hat sich getäuscht. Mit dem Ende der LTTE hat die Regierung jedes Argument zur Einschränkung der Meinungsäusserungs- und Pressefreiheit verloren, dennoch scheint der Propagandakrieg noch lange nicht zu Ende zu sein. Zwar hat sich der Präsident in seiner Rede an die Nation versöhnlich gezeigt. Die Gräben zwischen den Volksgruppen müssten zugeschüttet werden, sagte er. Doch schöne Worte nützen allein wenig. Das einstige Kriegsgebiet ist weiterhin von der Aussenwelt abgeriegelt. Die Uno bittet seit Tagen vergeblich um Zugang zum Norden, um Verwundete zu evakuieren. Auch zu den Flüchtlingslagern haben Hilfsorganisationen kaum Zugang. Lieferungen von Nahrungsmitteln und Kleidern werden von Colombo blockiert. Die Lage in den überfüllten Camps ist laut Augenzeugen alarmierend. Es gebe kaum genug Nahrung und Wasser. Ausserdem könnten die Verletzten nicht angemessen medizinisch versorgt werden, und es breiteten sich Krankheiten wie Ruhr und Hepatitis A aus. Die Uno hat Colombo bisher vergeblich angeboten, im Norden zusätzliche Notunterkünfte zu errichten.

    Die Regierung hält die tamilischen Zivilisten – die unter dem Terror der LTTE am meisten gelitten und in den letzten Monaten Grauenhaftes durchgemacht haben – wie Verbrecher in Internierungslagern fest. Verständlicherweise will Colombo die Flüchtlingsmassen nach Kämpfern durchkämmen. Höchst beunruhigend ist indes, dass die Regierung keine unabhängigen Beobachter bei diesem Prozess zulassen will. Zu den ersten Checkpoints im Norden hat nicht einmal das Internationale Komitee vom Roten Kreuz Zugang. Beobachter befürchten, dass die Armee ohne handfeste Beweise angebliche LTTE-Sympathisanten einfach liquidiert oder in Polizeigewahrsam verschwinden lässt.

    Ein trauriges Beispiel dafür, was die Regierung unter LTTE-Sympathisanten versteht, ist die Verhaftung von drei tamilischen Ärzten, die bis zum Kriegsende im umkämpften Gebiet ausgeharrt und sich unter Lebensgefahr um Verletzte gekümmert hatten. Als einzige unabhängige Augenzeugen hatten die drei Männer Hilfsorganisationen und Medien zudem über die Lage am Ort des Geschehens informiert. Durch ihre Berichte wurde überhaupt erst bekannt, dass sich sehr viel mehr Zivilisten in dem Kampfgebiet aufhielten, als die Regierung behauptete. Zudem machten die Ärzte publik, dass die Armee die «No-Fire-Zone» ununterbrochen mit schwerer Artillerie beschoss und dabei Tausende von Zivilisten tötete.

    Kurz nach Kriegsende wurden die drei Mediziner wegen der Verbreitung von Falschinformationen verhaftet. Sie werden seither von der Anti-Terrorismus-Abteilung der Polizei in Colombo festgehalten. Das Vorgehen gegen die mutigen Ärzte zeigt, dass die Regierung weiterhin mit allen Kräften zu vertuschen versucht, was in den letzten Monaten im Norden vor sich gegangen ist. Auch in Colombo werden missliebige Leute weiterhin grundlos verhaftet, oder sie verschwinden ganz einfach. An die Adresse westlicher Regierungen, die dem Horror der letzten Wochen machtlos zugesehen hatten, sandten Rajapakse eine eindeutige Botschaft. Belehrungen von aussen seien nicht gefragt, erklärte der Präsident während der Jubelfeiern. Es wird Zeit, dass die internationale Gemeinschaft ihm widerspricht.

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