Zwei Wochen nach Ende des Bürgerkriegs
Sri Lanka feiert offiziell Sieg über Rebellen
Zwei Wochen nach dem Ende des Bürgerkriegs haben Regierung und Armee mit einer großen Parade und einem nationalen Feiertag den Sieg über die tamilischen Rebellen gefeiert. Eine unabhängige Untersuchung mutmaßlicher Kriegsverbrechen lehnt die Regierung weiter ab.
Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Südasien
Journalisten und unabhängige Hilfsorganisationen sind nach wie vor unerwünscht. Deshalb bleibt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bis auf Weiteres einer der ganz wenigen Menschen, denen es wenige Tage nach dem Ende der Kämpfe erlaubt war, sich vor Ort ein Bild zu machen über die Zerstörung im Nordosten Sri Lankas – und über das Schicksal von insgesamt rund 300.000 tamilischen Inlandsflüchtlingen, die zusammengepfercht in staatlichen Lagern hinter Stacheldraht leben.
“Ich habe nirgendwo Schlimmeres gesehen”
“Das, was ich gesehen habe, hat mich unglaublich traurig und demütig gemacht”, sagte Ban hinterher. “Ich habe die ganze Welt bereist und ähnliche Regionen besucht. Aber ich habe nirgendwo schlimmere Szenen gesehen.”
Weitere Infos: http://www.tagesschau.de/ausland/srilanka392.html
Am 8. Juni 2009 um 22:24 Uhr
http://www.geoflueck.ch :
Montag, 8. Juni 2009, 19.50 h Schiff mit Hilfsgütern zurückgewiesen + Kritik im indischen Kongress und Lob aus GB
Kommentar zur Frage: Sollen Exil-Tamilen srilankische Waren und Dienstleistungen boykottieren?
Inland: Die srilankischen Behörden haben ein Schiff mit Hilfsgütern für tamilische Flüchtlinge weggewiesen, ohne dass die Nahrungsmittel und Medikamente entladen werden durften. Das Schiff fuhr unter syrischer Flagge und hatte Hilfsgüter an Bord, die von Exil-Tamilen aus Grossbritannien und Frankreich gespendet worden waren. Die srilankische Marine hatte das Schiff, zunächst als LTTE-Schiff bezeichnet, untersucht und festgestellt, dass wirklich nur Hilfsgüter an Bord waren. Aber da die Ladung ursprünglich für Zivilisten im Rebellengebiet gedacht war, verweigerte die srilankische Regierung eine Entladung und Verteilung der Hilfsgüter an intern vertriebene in Sri Lanka. (BBC, CP, il, AFP, TN) Laut UNO-Berichten sollen aus den Lagern für intern Vertriebene 13′000 Personen „verschwunden“ sein. Zudem wird in dem Bericht der UNO-Unterorganisation für humanitäre Angelegenheiten die Verwahrung von jungen tamilischen Männern und sexuelle Missbräuche an tamilischen Frauen thematisiert. (TN) Laut srilankischer Armee sollen maskierte Informanten unter den 300′000 Lagerinsassen insgesamt 400 LTTE-Kämpfer und Kämpferinnen identifiziert haben, die in Haftzentren transportiert wurden. Schon zuvor waren 2′000 LTTE-Kader aussortiert worden. (SLA, il, geoflueck) Die srilankische Regierung hat eines von zwei Büros für die Rekrutierung intern vertriebener für Arbeitsstellen im Ausland eröffnet. Die Regierung will in einem Programm Tausenden von Tamilen eine Stelle im Ausland beschaffen. (LP) Im Batticaloa Distrikt wurde in Ariyamapthi am Dienstag, 2. Juni, um 19.00 h ein ehemaliges TMVP-Kadermitglied erschossen. (LP, TN)
Im srilankischen Parlament rückt für den verstorbenen TNA- Abgeordneten Kanagasabai Pathmanathan neu Dr. Thangathurai (TNA) nach.(CP) Ein starker Sturmwind hat heute Montag Morgen innerhalb von 5 Minuten in einigen Dörfern des Distriktes Kurunegala 30 Häuser beschädigt. (CP, il)
Ausland: Bei einem Treffen mit dem srilankischen Aussenminister Bogollagama lobte der britische Aussenminister Milibrand die srilankische Regierung für ihren Sieg gegen die LTTE. In der britischen Regierung würde der LTTE keine Träne nachgeweint. Der gleichen Ansicht ist der Schattenminister der konservativen Opposition von GB. (LP, SLA) Der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat am Freitag in einer geschlossenen Sitzung des UN Sicherheitsrats angeblich die Untersuchung möglicher Kriegsverbrechen in Sri Lanka gefordert. Er steht unter Kritik, weil die UNO angeblich die wahren Verlustzahlen unter der tamilischen Zivilbevölkerung unter Verschluss hält. (TN, Basler Zeitung) Auch in Japan werden Forderungen nach einer Untersuchung möglicher Kriegsverbrechen laut. Wenn Sri Lanka eine weisse Weste hätte, müsste die Regierung ja keine Angst vor einer internationalen Untersuchung haben. (Japan Times, TN)
In Indien wurde im Kongress Klartext geredet. Eine Abgeordnete der siegreichen Kongresspartei sprach von 20′000 unschuldigen Opfern unter der tamilischen Zivilbevölkerung durch Kriegseinwirkung in diesem Jahr und verlangte von dem srilankischen Präsident Rajapakse, dass die Diskriminierung der Tamilen in Sri Lanka aufhören müsse und eine wirkliche Machtteilung mit der tamilischen Minderheit zu folgen habe. (The Hindu).
Kommentar. Was können Exil-Tamilen tun? Viele verlangen einen Boykott srilankischer Waren. Ich rate zu einem Mittelweg: Tamilen im Ausland sollen gezielt tamilische Produzenten und Händler in Sri Lanka unterstützen, indem sie Waren und Dienstleistungen von diesen beziehen. Tamilen könnten ja auch einen Label einführen, für Produzenten und Händler, die Tamilen nicht diskriminieren oder speziell für Tamilen, die im ehemaligen Bürgerkriegsgebiet produzieren und politisch neutral sind. In zuerst genannten Fall könnten auch muslimische und friedfertige singhalesische Geschäftsleute und Bauern berücksichtigt werden. Man darf nicht vergessen – es gab und gibt auch Singhalesen und Muslime, die sich für die Minderheitsrechte von Tamilen und eine friedliche politische Lösung einsetzten und einsetzen. Ein Wiederaufbau geschieht weniger von oben herab – die singhalesischen Hardliner sehen nicht gerne eine Erstarkung der tamilischen Kapitalkraft in Sri Lanka. Gerade deshalb sollten sich die Tamilen im Ausland gut überlegen, ob ein allgemeiner Boykott aller srilankischer Waren und Dienstleistungen ihren Landsleuten in Sri Lanka selber hilft.
Wirtschaft: In Colombo lag die Börse am Montag, 9.6. auf 2′200.47 Punkten (27.5.: 2′156.04 Punkte) . Der Sensex in Bombay lag am Montag auf 14′665.92 Punkten ( 27.5 14′109.64 Punkte). In Japan lag der Nikkei auf 9′865.63 Punkten (27.5. 9′438.77 Punkte). (BBC, geoflueck) Der Dow Jones hingegen schwächelte im Verlauf des heutigen Montags mit Minus 1,5%.. (geoflueck)
Der Euro hat sich gegenüber dem 26.5. ( 160.72 Rupien) bis 9.6. mit 160.287 Rupien kaum verändert, der Dollar liegt stabil auf 114.791 Rupien ( 26.5. 114.78 Rupien) und der Schweizer Franken wird am 9.6. stabil mit 105.678 Rupien (26.5. 105.83 Rupien) gehandelt. (oanda.com, geoflueck)
Montag, 1. Juni 2009, 19.10 h Times schätzt Zahl der Toten
Am 19. Juni 2009 um 23:13 Uhr
Mittwoch, 17. Juni 2009, 15.30 h LTTE formiert sich neu im Ausland + offiziell 262′632 vertriebene tamilische Zivilisten
Erster Fall von Schweinegrippe in Sri Lanka
Inland: Der Leiter der LTTE-Stelle für internationale Beziehungen, Selvarasa Pathmanathan, kündigt die Bildung einer transnationalen Exil-Regierung für Tamil Eelam an und sagt, der Kampf für Selbstbestimmung der Tamilen werde weiter gehen. Der srilankische Präsident Rajapakse will hingegen das Wort Minderheit aus dem Vokabular streichen und warnt, dass jeder gegen das Gesetz verstosse, der sich für die Ideale der TTE einsetze. (BBC, il) Im Ausland gibt es rund 800′000 srilankische Exil-Tamilen. (LP)
Derweil ist die Situation der intern Vertriebenen in den Lagern weiterhin sehr schwierig. Die singhalesische Menschenrechtsaktivistin Sunila Abeysekare von INFORM beklagt, dass innerhalb einer Woche in der Manik (Menik) Farm bei Vavuniya über 200 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren von ihren verzweifelten Eltern getrennt worden sind. Paramilitärische Gruppen hätten freie Hand in den Lagern. Sogar die srilankische Regierung würde zugeben, dass sie 10′000 LTTE-Gefangene aus Kriegshandlungen oder freiwilligem Ergeben in ihrer Obhut habe. Darunter auch ganze Familien von höheren LTTE-Kadern wie Soosai. Man wisse nicht, wo diese Menschen seien. (TN) Erstmals gibt es auch offizielle Zahlen zu den vertriebenen Tamilen. Am 11. Mai habe es einen Höchststand von 287′698 gezählten intern Vertriebenen in Lagern gegeben. Von diesen seien 14′962 wieder an ihre alten Orte zurück oder bei Verwandten untergekommen. Aktuell gebe es in Lagern 262′632 Personen, davon 134′464 Frauen. (CP)
Kommentar: Die Frage bleibt offen – wo sind die 10′004 Personen, die in der Rechnung oben fehlen? Die Zahl entspräche ziemlich genau den Verschwundenen. Zudem gab es ja nach dem 11. Mai zusätzliche Zivilisten und Kämpfer aus dem verbliebenen Schrumpfgebiet der LTTE, das bis 20. Mai erobert wurde. Wo sind diese? Stimmt es also, dass die meisten von diesen über 20′000 Menschen im Kugel- und Granathagel gestorben sind? Warum lässt die srilankische Regierung keine internationale Kontrolle zu?
Der Filmregisseur Seeman kritisierte die Armee. In den Lagern bei Vavuniya würden systematisch und ohne Angabe der Gründe junge Frauen aussortiert und von der Familie getrennt. (TN) Letzte Woche stellte auch der japanische Gesandte Akashi fest, dass es in den Lagern an allem fehlen würde, speziell Nahrungsmittel, sauberes Wasser, sanitäre Anlagen in hygienisch befriedigendem Zustand und Medikamente. (TN) Das Hilfswerk Terres des Hommes will für 13′500 Vertriebene im Nordosten von Sri Lanka Toiletten und Hygieneartikel bereitstellen. Man helfe bei der Errichtung von 270 provisorischen Latrinen in einem Lager bei Vavuniya. Man wolle auch Spiel und Sport anbieten sowie die Kinder gesundheitlich fördern. (AP, BaZ) Die Regierungsseite gibt zu, dass bezüglich sanitärer Anlagen und sauberem Wasser noch vielerorts Probleme bestehen. (LP) Die Regierung gestattet mittlerweile, dass ab morgen Donnerstag, 18.6. wieder ausgewählte private Transportunternehmen auf der A9 Güter nach Jaffna transportieren dürfen. (CP) Am Dienstag Mittag, 16.6., sollen 224 intern Vertriebene gegen ihren Willen nach Kiliveddi im Trincomalee Distrikt umgesiedelt worden sein. (TN)
Die Armee meldet immer wieder aufsehenerregende Funde. So wurde am Sonntag, 14.6. ein U-Boot der LTTE im Meer vor Vellamulliaikkal entdeckt, dass offensichtlich auch für Geheimoperationen gebraucht worden war. (SLA) Am Montag seien bei Suchaktionen 150 T-56-Gewehre sowie zwei „Thermo Baric“ – Waffen gefunden worden, die gegen die Genfer Konvention verstossen würden. (SLA) Ebenfalls am Montag, 15.6. habe man bei einem pharmazeutischen Unternehmen in Wellawatte, Colombo, grössere Mengen an Medikamenten in einem Versteck gefunden. Diese Medikamente im Wert von über 2 Mio Rupien wären für die LTTE bestimmt gewesen. Der Direktor der Firma wurde verhaftet. (SLA) Die Armee meldet auch, dass 90% der Gebiete im Norden nun entmint seien. (SLA,il) Bei Verhören habe der LTTE-Kadermann Daya Master zugegeben, dass vor seinen Augen durch die LTTE junge Männer durch Schüsse hingerichtet worden seien, weil sie junge Mädchen belästigt hätten. (SLA) In Colombo sollen sich nach Geheimdiensterkenntnissen noch 26 Suizidkämpfer der LTTE aufhalten, die vor der Schlussoffensive der Armee bei Mullaithivu nach Colombo gekommen seien, mit dem Ziel Anschläge zu verüben. Man habe bisher 4 Verdächtige festnehmen können. (DM) Nördlich von Poonakari (Pooneryn), am Südende der Jaffna Lagune bei Kalmunai, soll am Montag, 15.6. um 6.30 h ein Fischer von Armeeangehörigen beschossen und schwer verletzt worden sein. (TN) Die Armee hat in Mullaithivu und Kilinochchi zwei neue regionale Hauptquartiere eingerichtet. (CP)
In Sri Lanka wurde der erste Fall von Schweinegrippe festgestellt. Betroffen ist ein 8jähriger aus Australien eingereister Junge. (LP, il) Die UNP listet 11 seit 2005 getötete Journalisten und 50 Entführte auf. Medienschaffende hätten in Sri Lanka keine ausreichende Sicherheit. (TN)
Ausland: Bei einem Treffen mit dem indischen Aussenminister Krishna und weiteren hochrangigen indischen Politikern besprachen letzte Woche fünf Abgeordnete der srilankischen Tamilenpartei TNA eine Reihe von Forderungen. So ging es um die Situation der Vertriebenen in den Lagern, um deren Rückführung, um die Entmilitarisierung von tamilischen Siedlungsgebieten, die Freilassung von drei Ärzten und einem TNA-Politiker sowie um eine Amnestie von LTTE-Kadern in Gefangenschaft. (TN, The Hindu). Geheimdienstkreise in Indien sprechen von 300 bis 400 in der Schlussphase des Bürgerkriegs nach Indien geflohenen LTTE-Kaderleuten. (TOI) Vor rund einer Woche hat Sri Lanka Indien die Rücknahme von etwa 100′000 tamilischen Flüchtlingen aus Indien angeboten, sobald im Norden der Wiederaufbau erfolgt sei. (CP) Dem kanadischen Politiker Rae wurde die Einreise nach Sri Lanka im Flughafen bei Colombo verweigert und er wurde aus Sri Lanka weg geschickt. (TN) Der srilankische Präsident Rajapakse hielt sich bis Anfang dieser Woche in Mynmar (Burma) auf, dankte der Militärführung für deren Unterstützung im Kampf gegen die LTTE und beschwor die enge Zusammenarbeit beider Länder. Beim Rückflug hatte Rajapakse auch eine Zusage für Hilfen im Wert von 50′000 $ dabei. (CP. il) In Thailand sind anfangs diese Woche drei Männer verhaftet worden, darunter zwei Muslime, die für die LTTE Waffenschmuggel organisiert hätten. (SLA) Die neu nominierte US-Botschafterin für Sri Lanka, Patricia Butenis, fordert Anstrengungen der srilankischen Regierung zugunsten der Tamilen und Aufklärung bei extralegalen Tötungen und Angriffen auf Medienschaffende. (AFP)
Kommentar: Die Worte der USA werden wohl gehört, aber Sri Lanka gehört mit Staaten wie Myanmar, Iran, Nordkorea, Sudan, Pakistan und einigen anderen zu einer Ländergruppe, die bei Russland und China mächtige Beschützer haben, denen Menschenrechte und Minderheitsrechte wenig, ungefährdete Macht aber sehr viel gelten. Diese Allianz ist unter dem Schlagwort „keine Einmischung in innere Angelegenheiten“ zu keinen Kompromissen bezüglich Menschenrechten bereit. Durch die wirtschaftlichen Abhängigkeiten steht der Westen auch politisch geschwächt da.
Wirtschaft: (aktualisiert am 18..6.) In Colombo lag die Börse am Mittwoch , 17.6. auf 2′342.92 Punkten (9.6.: 2′200.47 Punkte ) innerhalb von 8 Tagen über 6% im Plus . Der Sensex in Bombay lag am Mittwoch , 17.6. auf 14′473.71 Punkten ( 9.6 14′665.92 Punkte), aber leicht im Minus. In Japan lag der Nikkei am 17.6. auf 9′840.85 Punkten (9.6.. 9′865.63 Punkte) dagegen im 8-Tage-Vergleich leicht im Minus.. (BBC, geoflueck) Der Dow Jones schwächelte bisher in dieser Woche. (geoflueck)
Der Euro hat sich gegenüber dem 9.6. ( 160.287 Rupien) bis 17.6. mit 158.863 Rupien um 1.4 Rupien abgeschwächt, der Dollar liegt am 17.6. weiterhin stabil auf 114.783 Rupien ( 9.6.: 114.791 Rupien) und der Schweizer Franken wird am 17.6. stabil mit 105.707 Rupien (9.6. 105.678 Rupien) gehandelt. (oanda.com, geoflueck)