Von der Reaktion vieler Menschen “überrollt”

Wie in den ansässigen Lokalzeitungen berichtet, fühlte sich der Landrat Dr. Olaf Gericke von der Reaktion vieler Menschen “überrollt”. Besonders bedrückt habe ihn die Demonstration vor dem Kreishaus, bei der er hasserfüllten Menschen gegenüber gestanden habe. “Ich wollte mich dem Thema stellen, wollte mit den Menschen reden. Ich habe es 15 Minuten lang versucht. Aber ich habe das erste Mal in meinem Leben das Gefühl kennen gelernt, dass ich mit Argumenten keine Botschaft herüberbringen kann”, erinnert er sich und ist noch heute froh, dass Beamte der Kreispolizei zu seinem persönlichen Schutz anwesend gewesen seien.

Vor allem SPD und Grüne im Kreis hatten nach seinen Worten die Gelegenheit genutzt, um ihm das Etikett “unmenschlich” anzuhängen. “Wenn über mich gesagt wird, dass ich Kindern gegenüber herzlos bin, dann verletzt mich das zutief,” sagte er. Die Sachlage sei eindeutig gewesen.. Zudem habe die Familie aus Sri Lanka, die abends aus ihrer Wohnung geholt wurde, einiges in hohem Maße selbst verschuldet. Auf eine überbehördliche Entscheidung zum Bleiberecht, für wenige Wochen später angekündigt, habe der Kreis nicht mehr warten dürfen.

3 Reaktionen zu “Von der Reaktion vieler Menschen “überrollt””

  1. Elisabeth Wiengarten

    Mit Erstaunen habe ich heute die Inhalte des Interviews mit Dr. Gericke gelesen. Ich habe in der Vergangenheit viele Menschen gesprochen, die bei der Demonstration dabei waren. Ich habe auch Menschen gesprochen, die mit Dr. Gericke und Herrn Holtstiege nach der Demonstration zu einem Gespräch in einem Zimmer des Kreishauses zusammenkamen.
    Diese Menschen berichteten scheinbar von einer ganz anderen Demonstration.

    Bei dem persönlichen Gespräch wollte man Dr. Gericke realistisches Material über die Bürgerkriegssituation in Sri Lanka zeigen (Fotos usw.). Er hat sich dieses Material noch nicht einmal angeschaut, so berichtete man mir, anderen Mitgliedern von amnesty usw..
    Ich glaube den Aussagen der Menschen, die mir berichtet haben. Besonders glaube ich den Aussagen der Geschwister Linnenbrink aus Beckum, die ich für aufrechte Menschen halte, denen ein Handeln nach den Geboten Gottes wie ein zweite Haut auf den Körper gelegt ist.

    Ein offene Frage an Dr. Gericke, ich stelle die Frage bewusst offen, damit andere Menschen sie lesen. Ich hoffe, dass auch Sie, Dr. Gericke, regelmäßig unsere Seite besuchen und diesen Eintrag lesen:

    Wenn ich in der Nacht wach werde, dann muss ich oft an meine Tochter, die Schwestern und Familie Thadchanamoorthy denken. Es kommt einfach so. Als Mutter, deren Kinder auch einmal klein waren, frage ich mich in den letzten Tagen oft, was Sie, Dr. Gericke, am Heiligen Abend empfinden werden, wenn Sie in die strahlenden Augen Ihrer Kinder schauen? Denken Sie dann an den kranken Apisan und seine Schwestern?

    Diese Frage mag emotionsgeladen sein – ich wage sie aber trotzdem zu stellen. Ich bitte Sie gleichzeitig Ihr Handeln zu korrigieren und mit uns zusammen dafür einzustehen, die Familie zurück zu holen. Ich glaube, dass solches Handeln menschliche und politische Größe wäre, die die Wähler honorieren würden. Für mich sind die Menschen groß, die Fehler eingestehen können. Zusätzlich frage ich mich noch oft, wer Sie, der Sie doch neu im Amt waren, beraten hat? Ich gehe davon aus, dass Ihnen die Akte Thadchanamoorthy durch jemanden vorgelegt wurde. Was hat diesen “Jemand” dazu getrieben, wo im Hinblick auf das neue Bleiberecht dazu keine Eile bestand. Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn gelernt, dass es wichtig ist, solche Menschen genau zu betrachten. Schnell wird man von solchen Personen nicht nur einmal in Schwierigkeiten gebracht.

    Mit der Abschiebung konnte man warten. Das wissen Sie, Dr. Gericke, dies weiß inzwischen jeder. Andere Kreise haben nicht abgeschoben.

    Nun noch ein paar allgemeine Gedanken und ein Dank an viele Menschen:

    Wie schon an anderer Stelle gesagt, hat mir gegenüber der Bischof von Münster, Dr. Lettmann, gesagt, dass die Abschiebepraxis im Kreis Warendorf besonders hart ist. Ich danke Bischof Lettmann an dieser Stelle für seine klare Stellungnahme. Ich freue mich darüber, dass hier von der katholischen Kirche Stellung bezogen wurde. Ferner danke ich auch Weihbischof Ostermann und Weihbischof Voss für die unterstützenden Worte in schriftlicher Form. Auch die ev. Landesbischöfin Käßmann hat sich Mut machend geäußert. Ich freue mich ferner über viele unterstützende Worte von CDU -Mitgliedern auf verschiedenen Parteiebenen. Auch Mitglieder von Freien Wählergemeinschaften und von der FDP verurteilen die Abschiebepraxis des Kreises. Nicht nur SPD-Mitglieder und Mitglieder der Grünen sehen diese also im Kreis Warendorf kritisch. Ich denke die Zeit arbeitet für uns. Wir lassen nicht locker. Ich vertraue darauf, dass alle, die jetzt als Unterstützer noch anonym bleiben möchten, den Mut haben auf Dauer offen Stellung zu beziehen. Danke an dieser Stelle auch, ich muss es einmal sagen, an alle Mitarbeiter der Kreisverwaltung und der Polizei, die uns durch ihre Anrufe und persönlichenb Worte darin bestärken auf unserem Weg weiter zu machen. Gerade die Worte dieser beiden Gruppen machen Mut.

    Es ist wie mit einem Schneeball. Ist genügend Schnee da, dann kann er immer dicker werden, wenn er den Berg herunterrollt. Inzwischen weiß ich:
    Es sind genügend Menschen da, die nach Menschlichkeit und christlichen Werten fragen, die meinen, dass das Gewissen das Gesetz des Gesetzes sein muss.
    Ich kann sagen, dass ich in so kurzer Zeit noch nie so viele wunderbare Menschen auf einmal kennengelernt habe. Es ist ein Geschenk für mich.

    In diesem Sinne wünsche ich noch allen Leser eine gute Vorbereitungszeit auf das Fest der Geburt unseres menschlichen Gottes, der für mich in diesen Tagen noch wichtiger geworden ist als zuvor.

    Alles Gute und viele Grüße

    Elisabeth Wiengarten

  2. Geschw. Linnenbrink

    Danke Frau Wiengarten, wissen Sie, was mich am meisten ärgert?
    Nina, diese idealgesinnte junge Frau, muß alle ihre Kräfte einsetzen, um wiedergutzumachen was verantwortliche reife Menschen verbrochen haben.Sollte man sich nicht vor dieser Frau schämen?
    Wir sind gewiß,sie wird trotz allem ein friedvolleres Weihnachtsfest haben als manche ,deren Gewissen hoffentlich noch schlägt.
    In Bezug auf den Leserbrief von Herrn Wiengarten kann man nur bitten:
    “Nehmt die Herbergsuchenden wieder auf!”
    Es ist unser größter Weihnachtswunsch.
    Geschw. Linnenbrink

  3. Klaus Gangler

    Liebe Frau Wiengarten,
    ich danke Ihnen für Ihren Bericht.
    Er strahlt die gleiche Menschlichkeit aus wie die Berichte Ihrer Tochter Nina aus Sri Lanka. Aber auch die Benennung knallharter Fakten.

    Ich habe ein Empfinden dafür, auch wenn ich als Atheist keinen religiösen Hintergrund habe. Ich kann nur den Gottes-Begriff nicht definieren.
    Das ist auch für mich nicht notwendig, solange ich gleich empfinde, und dann auch handle wie Sie und Gleichgesinnte. (Sie kennen ja meinen leider von der WN nicht veröffentlichten Leserbrief an Dr. Gericke).

    Dieser Gericke sollte langsam begreifen, aber auch bekennen, daß er einen Fehler gemacht hat. Und er sollte durch die Rückführung dieser Familie diesen Fehler korrigieren.
    Potentielle Gericke-Wähler würden es ihm danken !
    Ich wünsche Ihnen und Nina Glück für das neue Jahr.
    Und hoffe, daß dieses Grlück darin bestehen kann, diese Familie erneut willkommen zu heißen.

    Klaus Gangler
    Kolpingstraße 25
    D – 48 351 Everswinkel

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