Leserbrief von Josef Wiengarten zum Interview mit Dr. Olaf Gericke
Landrat Dr. Olaf Gericke äußerte sich im Glocke-Gespräch auch über den Abschiebefall Thadchanamoorthy. Die Abschiebung dieser Familie war und ist unmenschlich. Das ist noch die mildeste Vokabel die mir dazu einfällt. Ich habe mehrfach in Beelen und Warendorf vor Kaufhäusern und in der Fußgängerzone gestanden und Flyer zum Abschiebefall verteilt. Die Menschen mit denen ich dabei ins Gespräch gekommen bin, haben zum überwiegenden Teil ihre tiefe Abscheu über die Maßnahme geäußert. Diese haben noch ein gutes Unrechtsbewußtsein und zeigen echte Menschlichkeit. Menschlichkeit von Herrn Gericke und seinen Mitarbeitern wäre gewesen, wenn er der Bitte der Vorsitzenden des Petitionsausschusses gefolgt wäre und mit der Abschiebung gewartet hätte. Landrat Dr. Adenauer aus dem benachbarten Kreis Gütersloh hat da mehr Rückrad bewiesen und die Abschiebungen bis zur neuen Bleiberechtsregelung ausgesetzt. Ich bin mir sicher: Landrat Dr. Olaf Gericke wäre noch im Amt und hätte keinerlei Sanktionen zu befürchten gehabt, wenn er im Fall der Familie Thatchanamoorthy Großzügigkeit bewiesen und Gnade vor Recht gehen lassen hätte Drei Kinder, die hier geboren wurden, mit einer kranken Mutter in die Unsicherheit abzuschieben, dazu gehört schon was. Und was ein möglicherweise selbstverschuldetes Verhalten der Familie betrifft, meine ich, dass die Ausländerbehörde des Kreises eine Fürsorgepflicht hat und nicht eher die Menschen in ein Flugzeug „verfrachten“ darf, bis alle Dinge geklärt sind. Fünf Menschen ohne Papiere und Impfungen nach Sri Lanka abzuschieben, das gehört sich nicht und ist eine Verletzung der Fürsorgepflicht. In wenigen Tagen hören wir die Geschichte von der Herbergssuche der heiligen Familie. Die Familie Thadchanamoorthy konnte in diesem Jahr in der Krippe stehen. Auch sie will niemand haben.
Josef Wiengarten